News zum Thema Bücher

Der schlaue Martin stöbert

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Langeweile? Niemals!

Wir sind von 9-18.30 Uhr für Sie da, telefonisch, per Mail oder online. Wir liefern Ihre Bestellungen täglich aus!

19. März 2020

In diesen Tagen sind viele von uns von Ängsten geplagt. Im Zentrum steht dabei natürlich die Angst, man selber oder jemand aus dem engsten Familienkreis, insbesondere Kinder, Eltern oder Grosseltern, oder aber gute und liebe Freunde könnten erkranken.

Doch es gibt auch die anderen Ängste. Ausgehen kann man nicht, soziale Kontakte soll man möglichst meiden, die Kinder haben schulfrei – was also tun mit der vielen «Freizeit», die ja eigentlich eine Wartefrist ist? Man fürchtet sich vor rasch einmal aufkommender Langeweile. Dies ist in der heutigen, dieser ausserordentlich bewegten, ja hektisch Zeit durchaus verständlich, Doch Langeweile führt leicht ins Grübeln, und dies zieht einen nach unten.

Langeweile muss nicht sein!

Ich persönlich halte es seit jeher so: Wird es mir allzu ruhig um mich herum, so vertiefe ich mich weitaus lieber in ein Buch, als dass ich mir Filme und Serien «hineinziehe». Warum? Bücher vertreiben die Langeweile weitaus besser: Die Geschichten laden dazu ein, in die jeweiligen Welten einzutauchen, die man sich selber (weiter) ausmalen kann; die Fantasie wird angeregt und damit das Hirn beschäftigt. Damit ist die Langeweile gebannt und schwächen sich die manche Ängste zumindest für eine gewisse Zeit ab, in der man neue Energie tanken kann.

Zwar kann ich derzeit nicht einfach in die Buchhandlung marschieren, um mir neue Titel anzusehen oder empfehlen zu lassen, weil der Bundesrat die Schliessung auch der Buchhandlungen verfügt hat, aber ich habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass meine Lieblingsbuchhandlung derzeit grosse zusätzliche Anstrengungen unternimmt, um dennoch einen möglichst umfassenden Service aufrecht zu erhalten: Zusätzlich zum Online-Shop ist man bereit für telefonische Auskünfte und Bestellungen – und sie können auch per E-Mail übermittelt werden.

Natürlich geht dies nicht ohne einen besonderen Einsatz der Mitarbeitenden, die zudem Verstärkung erhalten haben durch das Team der Druckerei, damit alle Bestellungen zeitnah ausgeliefert werden können. Das nenne ich einen vorbildlichen Einsatz. Denken Sie bitte auch «nach der Krise» daran, was hier in schwierigen Zeiten auf lokaler Ebene geleistet wird!

Das gesamte BODAN-Team wünscht Ihnen und Ihrer Familie von Herzen beste Gesundheit und die notwendige Zuversicht, die uns erkennen lässt, dass wir alle gestärkt aus dieser ausserordentlichen Situation herausfinden werden.
 

«Gewisse Stellen»

13. März 2020

Buchmarke

Im Verlaufe eines Gesprächs kamen wir auf Bücher zu sprechen und irgendwie auf einen bestimmten Titel. Darin gebe es, verriet mein Gesprächspartner leicht verschämt, «eine gewisse Stelle», die sie als «pubertäre, lüsterne Jünglinge» (seine Worte) immer und immer wieder gelesen hätten, weil sie viele mögliche Fantasien zugelassen hätten. Ich hatte das Buch vor Jahren ebenfalls gelesen, ohne dass mir eine «Stelle dieser Art» aufgefallen wäre. Ich ging nach Hause, zog das betreffende Buch aus dem Regal und las es erneut. Da war nichts, was ich als «unanständig», als besonders «explizit» also, empfunden hätte. Wie auch immer: Die Wiederbegegnung mit der Geschichte war gleichwohl spannend.

«Gewisse Stellen» können aber auch ganz anderer Art sein. Früher habe ich mir in meinen Büchern so manches angestrichen, was mir wichtig schien. An manche erinnere ich mich noch heute, und ich weiss auch noch, wo ich sie finde. Etwa in Max Frischs Tagebuch den Satz: «Ein halbes Leben steht unter der heimlichen Frage: Erfüllt es sich oder erfüllt es sich nicht.» Und wenn ich diesen und andere angestrichene Passagen beim Eintrag unter dem Titel «Du sollst dir kein Bildnis machen» wiederlese, so erinnere ich mich auch gleich wieder daran, in welcher Gemüts- oder Lebenslage ich mich befand, als ich das Buch (erstmals) las.

An manches werde ich aber beim blossen Betrachten bestimmter Buchrücken erinnert. Da steht beispielsweise ein Buch von Jürg Federspiel in meinem Regal. Der Buchrücken ist beschädigt – angeknabbert, um präzise zu sein. Wann immer mein Auge darauf fällt, taucht sogleich die damalige Nacht in einem Zelt im Tessin wieder vor meinem inneren Auge auf, der Rucksack aus Platzmangel im offenen Vorzelt platziert. Ein wildlaufendes Kaninchen tat sich am Buchrücken gütlich – ich sah es eben noch erschreckt davonhoppeln, als ich meinen Kopf wegen des eigenartigen Geräuschs aus dem Zelt streckte…

So könnte ich mit Geschichten und Zitaten weiterfahren – und will eigentlich doch nur einiges ausdrücken: Ich liebe gedruckte Bücher so sehr (auch) wegen meiner Notizen und der von mir unterstrichenen Passagen– und weil manche nicht nur (immer wieder) lesenswerte Geschichten enthalten, sondern Erinnerungen und Erlebnisse wiederbeleben, wenn ich sie auch bloss ansehe.

Frisch ausgepackt

27. Februar 2020

Buch

Eigentlich war ich heute früh nicht auf der Suche. Ich meine damit: Nicht, dass mir der Lesestoff ausgegangen wäre. Bewahre! Oft genug habe ich den leichten Vorwurf oder das Erstaunen vernommen, bei mir lägen immer viel zu viele – ungelesene oder angelesene – Bücher herum. Das war immer so und wird immer so bleiben, wage ich zu behaupten.

Obwohl ich also «nichts» suchte, hat mich die Neugierde gepackt. Da kam mir die Rubrik «Frisch ausgepackt» auf der Homepage der Buchhandlung gelegen. Ich habe einmal mehr gestaunt, wie viel neuer Lesestoff «für alle Lebenslagen» hier stets präsentiert werden kann.

Wer liest, so mein einfaches Fazit, dem wird es nie langweilig!

Ohne mich gleich für dieses oder jenes zu entscheiden, habe ich mir einige Titel gemerkt, querbeet gewissermassen. Da fand ich «Küchenschätze aus dem Libanon» und «Unsere Bäume und was sie uns Gutes tun», stiess auf «Hummus & Granatapfel», was mir eine kulinarische Reise durch die Türkei und den Nahen Osten versprach, und habe mich bald einmal gefragt, ob ich mich mit «wildromantischen und natürlichen Arrangements aus Blumen, Pflanzen und Zweigen» befassen sollte («Aus der Natur ins Haus»). Sodann stiess auf «Innere Heilung: Der neue Healing Code», ein Buch, das einfache Anleitungen verspricht, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich der eigenen Vergangenheit zu stellen. Besonders freute mich der Titel «Die Wunderkammer der deutschen Sprache», und neugierig wurde ich auf das «Laboratorium des Fortschritts», ein Buch, das sich mit der Frage befasst, wie «aus dem Kleinstaat Schweiz eine bedeutende Wirtschaftsmacht» wurde.

Man wird es bemerkt haben: ich habe mich diesmal nicht im Bereich der Belletristik und Literatur umgesehen, sondern mich bei Titeln aufgehalten, die gemeinhin unter dem Oberbegriff «Fachbuch» zusammengefasst werden. Natürlich muss man nicht immer mit allem einverstanden sein, was darin unterbreitet wird – manchmal formuliert sich in mir Widerspruch, manchmal sehe ich mich herausgefordert, einem Thema vertieft nachzugehen, aber immer wird das eigene Denken angeregt. Und dies zählt in einer Zeit der beinahe im Sekundentakt auf uns einprasselnden scheinbaren «unverrückbaren Tatsachen» mindestens doppelt.

Reiseabenteuer

12. Februar 2020

«Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen», heisst das geflügelte Wort, das auf ein Gedicht von Matthias Claudius (1740-1815) zurückgeht. Reisen kann man in vielerlei Hinsicht. Indem man äussere Eindrücke sammelt, in sich aufnimmt, bestaunt, dies entdeckt und jenes. Oder indem man sich auf «innere Reisen» begibt. Etwa beim Lesen, das einen entführt auf Reisen durch ferne oder imaginäre Welten, was die Fantasie anregt und uns nachdenklich stimmt. Oder heiter. Uns ein Lachen entlockt. Oder Tränen.

Ich habe in meinem Blog-Beitrag «Ferienlektüre» berichtet von meinen Leseplänen für die bereits wieder zurückliegenden Urlaubstage. Einen Teil dieser Lesereisen habe ich, losgelöst vom Alltag, inzwischen unternommen. Sie führten mich in sehr unterschiedliche Welten - geographisch nach Berlin und Holland, Norwegen und Italien, nach Australien…

Manchmal wird man nach der Rückkehr gefragt, ob die Reise «sich gelohnt» habe. Was so viel bedeutet wie: Ob die in den Reiseführern erwähnten und aufgezählten Sehenswürdigkeiten einen Besuch wert seien, ob die Küche wirklich so gut sei, wie manche schwärmten, oder die Preise so niedrig, wie andere lobten. Oder, oder, oder…

Also könnte man mich oder ich mich selbst fragen, ob es sich «gelohnt» habe, diese Lesereisen, abends oder frühmorgens auf der Terrasse, an den wenigen «Ruhetagen» untertags im Schatten, vor dem Einschlafen im Bett, zu unternehmen. Ja, finde ich, auf jeden Fall. Auch wenn – wie bei wirklichen Reisen – mich nicht jedes Leseerlebnis gleichermassen gefesselt und überzeugt hat. Und, dem Zufall meiner Auswahl geschuldet, ziemlich oft ein zu Ende gehendes Leben und der Tod im Mittelpunkt standen. Heiter und ernst, nachdenklich stimmend und unterhaltend – ein bunter Mix, wie ihn das reale Reisen ebenfalls bereithält.

(Meine Lektüre im Urlaub: Henrik Groen: «Lieber Rotwein als tot sein», Jostein Gaarder: «Der Geschichtenverkäufer» sowie «Genau richtig», Sibylle Lewitscharoff: «Von oben», Lorenz Langenegger: «Jahr ohne Winter», Karl Ove Knausgård: «Alles hat seine Zeit» - und, quasi als Zugabe: Anti Tuomainen: «Die letzten Meter bis zum Friedhof»)

Ferienlektüre

16. Januar 2020

Ich weiss nicht, wie dies andere Menschen halten, für mich jedenfalls ist klar: Ferien ohne Bücher sind für mich unvorstellbar. In dieser kostbaren Zeit geniesse ich das Lesen doppelt. Nichts, das mich ablenkt, keine Verpflichtung, die mir plötzlich in den Sinn käme. Dergestalt kann ich mich ganz den Geschichten hingeben, die ich mir für diese Tage ausgesucht habe.

Soweit, so einfach.

Kompliziert ist hingegen, was vor der Abreise abläuft: Welche Bücher soll ich mitnehmen, in welcher Stimmung werde ich mich näher oder ferner der Heimat befinden? «Alles» kann nicht mitreisen, alleine schon des Gewichts meines Koffers wegen.

Früher habe ich mich oft für Krimis entschieden. Inzwischen packe ich eher «schwerere Literatur» ein. Bücher, die ich im Verlaufe der zurückliegenden Monate erstanden habe, ohne die Zeit oder die Musse gefunden zu haben, ihnen jene uneingeschränkte Aufmerksamkeit entgegenzubringen, die sie verdienen. Also habe ich für meinen derzeitigen Urlaub Werke norwegischer Autoren (Jostein Gaarder und Karl Ove Knausgard) eingepackt, auf die ich nicht zuletzt dank der Frankfurter Buchmesse 2019 gestossen bin, Schweizer Schriftsteller dazu gepackt (Lukas Bärfuss, den Georg-Büchner-Preisträger 2019, und Lorenz Langenegger), Sibylle Lewitscharoff und Angela Kraus beigefügt und zuletzt, weil der Roman Spass verspricht, den man beim Lesen ja durchaus ebenfalls haben darf, Heindrik Groens «Lieber Rotwein als tot sein» eingesteckt.

Mit dieser Auswahl steht für mich fest, dass meine jetzigen Ferientage fernab der heimischen Kälte, also begleitet von Sonne, Wärme und dem leisen Rauschen des Ozeans, auch in literarischer Hinsicht zu einer weiteren Entdeckungsreise werden. Ob diese Hoffnung erfüllt würde? Darüber später…

Was wäre mir entgangen…

2. Januar 2020

Etwas lasse ich mir kaum je nehmen, wo immer ich mich auch aufhalte: Den Besuch einer Buchhandlung. Natürlich: Ich will ja nur hineingehen, mich ein wenig umsehen, erfahren, was im betreffenden Geschäft als besondere Empfehlung aufliegt, aber (diesmal wirklich) nichts kaufen…

Und doch verlasse ich den Laden nach geraumer Weile meist mit zwei, drei, vier, fünf neu erstandenen Büchern. Wohlverstanden: Ohne mich darüber zu ärgern, meinem guten Vorsatz einmal mehr untreu geworden zu sein.

Woran liegt’s?

Erstens mit Bestimmtheit daran, dass ich fürs Leben gerne lese. Und zweitens, dass ich in einer Buchhandlung – und zwar auch beim «x-ten» Besuch – immer wieder Überraschendes, mir unbekannt Gebliebenes, von mir Übersehenes vorfinde. Unter den «persönlichen Empfehlungen» im Laden habe ich schon so manches Buch abseits des sogenannten Mainstreams entdeckt, das mir viel Freude bereitet hat. So habe ich mich kürzlich nach meinem Besuch in der Buchhandlung während Stunden und Tagen amüsiert an Linus Reichlins aberwitziger Geschichte über «Keiths Probleme im Jenseits».

Was wäre mir entgangen, hätte da nicht eine Mitarbeiterin ein Buchzeichen mit «Meine Empfehlung» oder so ähnlich angebracht!

«Totgesagte» leben länger

1. Dezember 2019

«Seit der Existenz von Radio, Kino und Fernsehen können sich Menschen auch anders als mit einem Buch unterhalten (…) Aus Sicht des Buches hat sich hier nichts verändert. Ausser dass die Zahl der Alternativen zugenommen hat», lesen wir in einem Artikel, in einem der vielen, der sich mit der «Zukunft des Buchs» befasst.

Es ist gut, dass die «Zukunft des Buchs» immer wieder und aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet und hinterfragt wird. Das ist gut so, denn, indem man sich über die Zukunft Gedanken macht, ist der Beweis geführt, dass das Buch, das vielfach totgesagte, lebt. Und dies ziemlich üppig, wenigstens in Bezug auf die Quantität: An der Frankfurter Buchmesse 2019 präsentierten sich so 7450 Aussteller aus 104 Ländern mit ihren Werken. Allein das Gastland Norwegen stellte 100 ihrer Autorinnen und Autoren und deren Bücher vor.

Ob solcher Zahlen schleicht sich der unter Umständen etwas gewagte Gedanke ein: Vielleicht ist weniger das Buch an sich gefährdet, sondern droht ihm durch das Überangebot ein langsamer Erstickungstod. Denn wo der Überblick verloren geht, wendet sich der Mensch gerne einmal ganz ab: Ein Reflex der Unlust macht sich breit. Es graut einen, sich durch das Dickicht zu quälen.

Hier nimmt die Buchhandlung eine Mittlerrolle ein. Wer lesen möchte, sich aber zunehmend verunsichert wähnt, wer Lust darauf verspürt, Neues, verborgene Schätze zu entdecken, der stösst selbst in opulenten Online-Shops irgendwann an Grenzen. Im Gespräch mit Buchhändlerin oder Buchhändler lichten sich die Nebel, aus vagen Wünschen werden konkrete Vorstellungen. Flugs findet sich das Passende. Oder man lässt sich zur Entdeckung einer neuen Lesewelt verleiten.

Das mag ich an Buchhandlungen persönlich ebenso wie die Bücher an sich: Hier findet sich noch Zeit und begegnet man Menschen für ein Gespräch. Und so lebt nicht nur das Buch, sondern auch das Gespräch, das ebenfalls vielfach totgeredete, erfreulicherweise weiter.