News zum Thema Bücher

Der schlaue Martin stöbert

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Cyclomania

9. September 2020

Machen Sie doch auch mit! Bis zum 30. September 2020 können Sie am diesjährigen CYCLOMANIA teilnehmen. 19 Challenges in der ganzen Schweiz mit insgesamt 76 tollen Etappen- und Hauptpreise erwartet Sie! Einfacher geht’s nicht: App runterladen, anmelden und losradeln -
www.cyclomania.ch!

Märchenstunde

2. September 2020

Höre oder lese ich das Wort «Märchenstunde», so werden Erinnerungen wach an eine Zeit, als man noch keine DVD, eine VHS- oder Audio-Kassette einschob oder auf den TV-Knopf auf der Fernbedienung drückte, um die Kinder auf eine Reise in die Märchenwelten zu schicken. Nichts dagegen! Aber wie schön war es doch damals, als eine erwachsene Person sich hinsetzte, zu einem Buch griff, man selbst sass vor oder neben ihr, und eine Geschichte vorzulesen begann. Wurde es arg gruselig, konnte man sich an die Erzählende kuscheln – doch gleichzeitig wusste man tief im Innersten: Das Gute würde siegen.

Märchenstunden gibt es heute noch (oder wieder), und das finde ich schön. Besonders schön ist es natürlich, wenn man nicht alleine zuhört, sondern in einer bunten Runde zusammensitzen und lauschen, sich freuen, hoffen und lachen kann. In unserer Buchhandlung in Kreuzlingen ist dies übrigens regelmässig möglich. Die nächste Gelegenheit bietet sich am Samstag, 5. September. Drei weitere Anlässe bis in die Vorweihnachtszeit hinein sind geplant. Eine tolle Sache, finde ich, und ein Erlebnis für junge und etwas weniger junge Zuhörerinnen und Zuhörer.



 

Eine Welt im Wandel

4. August 2020

Heute habe ich etwas gesucht im Internet und bin, wie es wohl nicht nur mir so geht, «vom Weg abgekommen». Plötzlich fand ich mich in einem Forum wieder mit zahlreichen Beiträgen zur Frage: «Sind nur dicke Bücher gute Bucher?» Erst dachte ich, es handle sich um Satire, doch wurde mir schnell klar: Mitnichten! Mir erschien es zwar nachgerade grotesk, die Seitenzahl von Büchern als (ultimatives) Qualitätsmerkmal auch bloss in Erwägung zu ziehen, aber heute soll man sich ja über nichts mehr wundern.

Während ich noch kopfschüttelnd weiterlas, fielem mir eine ganze Reihe «schmaler Bücher» in meinem Besitz ein, die diese «Regel» von «dick gleich gut – dünn gleich …» Lügen strafen, und dabei ganz besonders Arno Camenisch. Der Bündner Autor entwickelt seine Welt von «Kurz»roman zu «Kurz»roman weiter.

Seine «Welt» mag geografisch eng gefasst sein, klein ist sie jedoch mitnichten. Über die Jahre und die Bücher hinweg bieten die Geschichten immer auch Reflexionen über die Gegenwart in ernster oder so heiterer Form wie in seinem jüngsten Werk, «Goldene Jahre.» Es mag zwar dem Titel nach vermuten lassen, alles beziehe sich auf jene Zeit, als die Umfahrungsstrasse noch nicht gebaut war, doch auch nach 51 Jahren stehen Margrit und Rosa-Maria mit ihrem Kiosk samt Tankstelle mit beiden Beinen im Leben und kommentieren aus der Erinnerung an das Gestrige vieles aus der Welt von heute.

«Ich erzähle von einer Welt im Wandel», sagt Arno Camenisch. Hier verbindet sich das Kleine und das Grosse. Charmant, mit Witz und immer mit der Liebe zu seinen Heldinnen und Helden, erzählt der Autor seine Geschichten.

Arno Camenisch gastiert mit seinem jüngsten Buch «Goldene Jahre» am Donnerstag, 27. August, 19.30 Uhr, in unserer Buchhandlung.



 

Preise, Preise, Preise

1. Juli 2020

Sich lesend auf Entdeckungsreisen zu begeben: Dazu lade ich nicht zum ersten Mal ein. Doch wie stellt man das an – besonders dann, wenn es einen gelüstet, aus dem Gewohnten auszubrechen, sich auf Neuland vorzuwagen, sich hinein in das Unbekannte zu stürzen, das neue Erlebnisse verspricht?

Es gibt die verschiedensten Rezepte. Unter anderem mache ich mir dabei die Flut der Buchpreise zunutze, die Jahr für Jahr verliehen werden. Nicht, dass ich blindlings all das oder einen Grossteil davon erwerben würde, was hier ausgezeichnet wird. Aber als Quelle der Inspiration, als Wegweiser gewissermassen, als Ausgangspunkt, sind diese Titel und Listen allemal hilfreich.

Dergestalt bin ich jüngst auf die Gewinnerin des Solothurner Literaturpreises 2020, die Österreicherin Monika Helfer und ihren aktuellen Roman «Bagage» gestossen. «Diese Geschichte beginnt nämlich, als meine Mutter noch nicht geboren war. Die Geschichte beginnt, als sie noch gar nicht gezeugt war. Sie beginnt an einem Nachmittag, als Maria wieder einmal die Wäsche an die Leine klammerte», heisst es darin. Es sind dies Sätze, die (mich) neugierig darauf machen, diese bäuerliche Familiengeschichte zu Zeiten des Ersten Weltkriegs zu lesen und zu erfahren, ob ich ebenso empfinde wie die Jury, die in ihrer Würdigung schrieb: «Gerade ihre Kunst der Auslassungen und Leerstellen machen Helfer zu einer Meisterin der Verdichtung.»

Das «Lieblingsbuch des Deutschschweizer Buchhandels 2020» wiederum ist Delia Owens’ «Der Gesang der Flusskrebse», ein «schmerzlich schönes Debüt, das eine Kriminalgeschichte mit der Erzählung eines Erwachsenwerdens verbindet und die Natur feiert», wie die New York Times schrieb. Ist es nicht – nur – dieses Buch, so bietet dies doch auch Anlass, sich wieder einmal umzusehen, was sich in der amerikanischen Literaturwelt tut.

Oder man könnte beispielsweise die Gewinnerin des Thomas-Mann-Preises 2020 entdecken wollen und damit Nora Bossong, beziehungsweise deren hier ausgezeichneter Roman «Gesellschaft mit beschränkter Haftung» eine – wie es in einer Kritik hiess, «psychologisch anspruchsvolle Studie über den Einfluss von Macht auf den Charakter.» Was schon rein thematisch das Tor zu weiteren Entdeckungsreisen weit aufstösst.

Oder, oder, oder …

Preise sind eine schöne Anerkennung für die Autorinnen und Autoren, die sie erhalten – und führen uns an den Ausgangspunkt vieler möglicher literarischer Ausflüge.

Oder aber, man beschreitet einen anderen Weg. Eine meiner Bekannten meinte dazu einst: «Die Buchhändlerin ist für mich wie die Coiffeuse: Sie weiss genau, was ich mag.»

In diesem Sinne: Auf in die Lieblingsbuchhandlung des Vertrauens.



 

Was wäre die Literatur ohne die Liebe

3. Juni 2020

Lieblingsbücher sind ganz spezielle Bücher. In den letzten Wochen und Monaten fand ich endlich wieder einmal Zeit, mir über meine persönlichen Lieblingsbücher klar zu werden. Und da durfte natürlich das ganz grosse Thema der Literatur – die «Liebe» – nicht fehlen. Denn was wäre die Literatur ohne «die Liebe»!

Mein absolutes «Lieblingsbuch» über die Liebe ist streng genommen kein Buch, sondern ein Eintrag in Max Frischs Tagebuch (1946 – 1949) unter dem Titel «Du sollst dir kein Bildnis machen», ein Leitfaden gewissermassen, der mich ein Leben lang begleitet hat (und den ich mitunter leider vergass): «Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen (…) Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertigwerden: weil wir sie lieben; solang wir sie lieben.»

Wenn ich mich schliesslich entschieden habe, aus den vielen Büchern Jostein Gaarders «Genau richtig» auszuwählen, so deshalb, weil diese Geschichte des norwegischen Autors mich tief bewegt hat – diese kurze Geschichte einer langen Nacht: «Eirin und ich haben einander ernst versprochen, in guten wie in bösen Tagen zusammenzuhalten. Die guten Tage, fast nur gute, liegen hinter uns», bilanziert Albert, der eine schlechte ärztliche Diagnose erhalten hat: «Jetzt kommen die bösen Tage, aber vielleicht können wir auch darin etwas Gutes finden.»

Schöner, finde ich, kann man Hoffnung auf die Kraft der Liebe fast nicht ausdrücken.

Daneben haben sich mir in der jüngeren Vergangenheit einige andere Betrachtungen der Liebe aus unterschiedlichsten Blickwinkeln eingeprägt und mich berührt. Julian Barnes’ «Die einzige Geschichte» zum Beispiel. Oder Tadeusz Dabrowskis «Eine Liebe in New York». Oder, etwas weiter zurück, «Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins» von Milan Kundera: «Soll die Liebe unvergesslich sein, so müssen sich vom ersten Augenblick an Zufälle auf ihr niederlassen wie die Vögel auf den Schultern des Franz von Assisi.»

Oder ...

Es gibt tatsächlich so viele wunderbare Liebesgeschichten – tragische, heitere, besinnliche –, dass man nur empfehlen kann: Sie zu entdecken oder sie erneut zu lesen, lohnt sich immer.


 

Lachen macht glücklich

8. Mai 2020

In diesen Tagen wurde ich oft gefragt, wie ich mir denn so die Zeit vertreibe, was sich geändert habe, was gleichgeblieben sei. Zweifellos: Diese Wochen, die man «neudeutsch» als «Lockdown» bezeichnet hat, hielt besondere Herausforderungen bereit. Die wichtigen persönlichen Begegnungen reduzierten sich auf ein Minimum, man war «auf sich selbst zurückgeworfen», oder, um es positiver auszudrücken: Fand endlich die Zeit, manches von dem in Ruhe zu erledigen, wofür in normalen Tagen meist die Musse fehlt. Oder die Lust…

Nebst mancher anderen Beschäftigung fand ich jedenfalls genügend Zeit, Bücher zu lesen, die ich schon lange lesen wollte. Doch irgendwann wurde, was ich mir für ruhige Stunden, in denen ich mich voll und ganz auf den Text würde konzentrieren können, doch zu schwer. Etwas Heiteres musste es endlich wieder sein, denn Lachen – macht glücklich.

Dass mich dabei, der Bezug zur aktuellen Situation stand dabei natürlich Pate, das Buch mit dem Titel «Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist», spontan anzog, muss wohl nicht näher erläutert werden. Auch «Die Zukunft war früher auch besser» schien mir eine verlockende Wahl. Diese beiden und manche anderen Titel enthalten Texte, Sprüche, Stücke und «gerade Gedanken eines Schrägdenkers», wie es im Untertitel eines der Werke heisst, von Karl Valentin. Karl Valentin (1882 bis 1948) war nicht nur ein begnadeter Komiker, Schrägdenker und Humorist, sondern auch ein genialer Schauspieler und Filmemacher. Der Meister der Groteske und des absurden Sprachspiels wird von vielen auf eine Stufe mit Charlie Chaplin, Buster Keaton, Luis Buñuel, Samuel Beckett sowie Stan Laurel und Oliver Hardy gestellt. Seine Texte und Gedanken stimmen oftmals nachdenklich, lassen aber auch ein befreiendes Lachen zu – etwas, das ich in dieser Zeit besonders schätzte, insbesondere, da seine Betrachtungen stets liebenswürdig und hintergründig sind.

Wer mehr über diesen grossen Münchner Schrägdenker erfahren möchte: Es gibt natürlich auch Biografien über Karl Valentin – und «das Beste» von ihm auch auf CD mit Originalaufnahmen zusammen mit seiner langjährigen Bühnenpartnerin Liesl Karlstadt.

Eine lohnende (Wieder)entdeckung ganz gemäss Karl Valentins eigener Einschätzung: «Jedes Ding hat drei Seiten. Eine positive, eine negative und eine komische.»


 

Die einsame Insel

8. April 2020

«Welche Bücher würden Sie mitnehmen auf eine einsame Insel?», lautete einst eine Standardfrage in vielen Interviews in Zeitungen und Zeitschriften. Ich habe jeweils versucht, diese Frage auch für mich zu beantworten. Wobei sich sofort weitere Fragen stellten: Wie lange sollte der Aufenthalt auf der «einsamen Insel» denn dauern, und was gäbe es dort ausser «Sonne, Meer, Sandstrand und Palmen»? Die Antworten hätten zweifellos Einfluss auf meine Wahl gehabt.

Für den vorübergehenden, unbeschwerten Aufenthalt hätte ich vielleicht eher Unterhaltsames oder, noch wahrscheinlicher, spannende Krimis ausgewählt – für eine nicht vorhersehbare Dauer eher Aufbauens oder Tröstliches eingepackt, das mich möglichst lange auch geistig beschäftigen würde.

Derzeit befinden sich viele von uns in einer vergleichbaren Situation. Einerseits besteht die «Insel» allerdings «bloss» aus der Wohnung oder dem Haus – und andererseits ist man nicht von der Versorgung, nicht vom Nachschub abgeschnitten. Meine Buchhandlung nimmt derzeit Bestellungen auch per Telefon oder E-Mail entgegen und liefert mit einem eigenen Kurierdienst aus – und bietet sogar die telefonische Beratung an.

Mittlerweile verfüge ich derzeit über genügend Lesestoff. Beim Zusammenstellen habe ich bewusst auf Krimis verzichtet: Derzeit ist mir das reale Leben Krimi genug… Und auch auf das «rein Unterhaltende» habe ich – noch – verzichtet.

Erstens habe ich ein Buch aus dem Regal genommen, das ich längst lesen wollte, aber es bisher nicht geschafft habe: Daniel Kehlmanns «F», 2013 erschienen. Der Roman erzählt die Geschichte dreier Brüder, in der sich die Abgründe immer weiter öffnen, je tiefer man in sie eindringt. Gespannt bin ich sodann auf «Das Gewicht der Worte» von Pascal Mercier und freue mich auf Markus Orths’ «Picknick im Dunkeln», in dem sich Stan Laurel und Thomas von Aquin begegnen. Ein ganz klein wenig habe ich mich sodann bereits in «Sturz» von Reto Hänny vorgewagt und schnell erkannt, dass dieses Buch meine Konzentration ganz besonders fordern wird. Letztlich liess ich mich überzeugen, diesen Schätzen «sweet sorrow» von David Nicholls hinzuzufügen, allein schon des Untertitels wegen: «Weil die erste Liebe unvergesslich ist».

Was würden Sie wählen? Oder: Was haben Sie ausgewählt? Wie auch immer: Hauptsache, ein Buch oder mehrere Bücher. Sie schenken fürwahr in diesen Tagen viele Begegnungen, Geschichten und Bilder, die sich im Kopf weiterentwickeln.

Das gesamte BODAN-Team wünscht Ihnen und Ihrer Familie von Herzen beste Gesundheit und die notwendige Zuversicht, die uns erkennen lässt, dass wir alle gestärkt aus dieser ausserordentlichen Situation herausfinden werden.


 

Langeweile? Niemals!

19. März 2020

In diesen Tagen sind viele von uns von Ängsten geplagt. Im Zentrum steht dabei natürlich die Angst, man selber oder jemand aus dem engsten Familienkreis, insbesondere Kinder, Eltern oder Grosseltern, oder aber gute und liebe Freunde könnten erkranken.

Doch es gibt auch die anderen Ängste. Ausgehen kann man nicht, soziale Kontakte soll man möglichst meiden, die Kinder haben schulfrei – was also tun mit der vielen «Freizeit», die ja eigentlich eine Wartefrist ist? Man fürchtet sich vor rasch einmal aufkommender Langeweile. Dies ist in der heutigen, dieser ausserordentlich bewegten, ja hektisch Zeit durchaus verständlich, Doch Langeweile führt leicht ins Grübeln, und dies zieht einen nach unten.

Langeweile muss nicht sein!

Ich persönlich halte es seit jeher so: Wird es mir allzu ruhig um mich herum, so vertiefe ich mich weitaus lieber in ein Buch, als dass ich mir Filme und Serien «hineinziehe». Warum? Bücher vertreiben die Langeweile weitaus besser: Die Geschichten laden dazu ein, in die jeweiligen Welten einzutauchen, die man sich selber (weiter) ausmalen kann; die Fantasie wird angeregt und damit das Hirn beschäftigt. Damit ist die Langeweile gebannt und schwächen sich die manche Ängste zumindest für eine gewisse Zeit ab, in der man neue Energie tanken kann.

Zwar kann ich derzeit nicht einfach in die Buchhandlung marschieren, um mir neue Titel anzusehen oder empfehlen zu lassen, weil der Bundesrat die Schliessung auch der Buchhandlungen verfügt hat, aber ich habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass meine Lieblingsbuchhandlung derzeit grosse zusätzliche Anstrengungen unternimmt, um dennoch einen möglichst umfassenden Service aufrecht zu erhalten: Zusätzlich zum Online-Shop ist man bereit für telefonische Auskünfte und Bestellungen – und sie können auch per E-Mail übermittelt werden.

Natürlich geht dies nicht ohne einen besonderen Einsatz der Mitarbeitenden, die zudem Verstärkung erhalten haben durch das Team der Druckerei, damit alle Bestellungen zeitnah ausgeliefert werden können. Das nenne ich einen vorbildlichen Einsatz. Denken Sie bitte auch «nach der Krise» daran, was hier in schwierigen Zeiten auf lokaler Ebene geleistet wird!

Das gesamte BODAN-Team wünscht Ihnen und Ihrer Familie von Herzen beste Gesundheit und die notwendige Zuversicht, die uns erkennen lässt, dass wir alle gestärkt aus dieser ausserordentlichen Situation herausfinden werden.
 

«Gewisse Stellen»

13. März 2020

Buchmarke

Im Verlaufe eines Gesprächs kamen wir auf Bücher zu sprechen und irgendwie auf einen bestimmten Titel. Darin gebe es, verriet mein Gesprächspartner leicht verschämt, «eine gewisse Stelle», die sie als «pubertäre, lüsterne Jünglinge» (seine Worte) immer und immer wieder gelesen hätten, weil sie viele mögliche Fantasien zugelassen hätten. Ich hatte das Buch vor Jahren ebenfalls gelesen, ohne dass mir eine «Stelle dieser Art» aufgefallen wäre. Ich ging nach Hause, zog das betreffende Buch aus dem Regal und las es erneut. Da war nichts, was ich als «unanständig», als besonders «explizit» also, empfunden hätte. Wie auch immer: Die Wiederbegegnung mit der Geschichte war gleichwohl spannend.

«Gewisse Stellen» können aber auch ganz anderer Art sein. Früher habe ich mir in meinen Büchern so manches angestrichen, was mir wichtig schien. An manche erinnere ich mich noch heute, und ich weiss auch noch, wo ich sie finde. Etwa in Max Frischs Tagebuch den Satz: «Ein halbes Leben steht unter der heimlichen Frage: Erfüllt es sich oder erfüllt es sich nicht.» Und wenn ich diesen und andere angestrichene Passagen beim Eintrag unter dem Titel «Du sollst dir kein Bildnis machen» wiederlese, so erinnere ich mich auch gleich wieder daran, in welcher Gemüts- oder Lebenslage ich mich befand, als ich das Buch (erstmals) las.

An manches werde ich aber beim blossen Betrachten bestimmter Buchrücken erinnert. Da steht beispielsweise ein Buch von Jürg Federspiel in meinem Regal. Der Buchrücken ist beschädigt – angeknabbert, um präzise zu sein. Wann immer mein Auge darauf fällt, taucht sogleich die damalige Nacht in einem Zelt im Tessin wieder vor meinem inneren Auge auf, der Rucksack aus Platzmangel im offenen Vorzelt platziert. Ein wildlaufendes Kaninchen tat sich am Buchrücken gütlich – ich sah es eben noch erschreckt davonhoppeln, als ich meinen Kopf wegen des eigenartigen Geräuschs aus dem Zelt streckte…

So könnte ich mit Geschichten und Zitaten weiterfahren – und will eigentlich doch nur einiges ausdrücken: Ich liebe gedruckte Bücher so sehr (auch) wegen meiner Notizen und der von mir unterstrichenen Passagen– und weil manche nicht nur (immer wieder) lesenswerte Geschichten enthalten, sondern Erinnerungen und Erlebnisse wiederbeleben, wenn ich sie auch bloss ansehe.

Frisch ausgepackt

27. Februar 2020

Buch

Eigentlich war ich heute früh nicht auf der Suche. Ich meine damit: Nicht, dass mir der Lesestoff ausgegangen wäre. Bewahre! Oft genug habe ich den leichten Vorwurf oder das Erstaunen vernommen, bei mir lägen immer viel zu viele – ungelesene oder angelesene – Bücher herum. Das war immer so und wird immer so bleiben, wage ich zu behaupten.

Obwohl ich also «nichts» suchte, hat mich die Neugierde gepackt. Da kam mir die Rubrik «Frisch ausgepackt» auf der Homepage der Buchhandlung gelegen. Ich habe einmal mehr gestaunt, wie viel neuer Lesestoff «für alle Lebenslagen» hier stets präsentiert werden kann.

Wer liest, so mein einfaches Fazit, dem wird es nie langweilig!

Ohne mich gleich für dieses oder jenes zu entscheiden, habe ich mir einige Titel gemerkt, querbeet gewissermassen. Da fand ich «Küchenschätze aus dem Libanon» und «Unsere Bäume und was sie uns Gutes tun», stiess auf «Hummus & Granatapfel», was mir eine kulinarische Reise durch die Türkei und den Nahen Osten versprach, und habe mich bald einmal gefragt, ob ich mich mit «wildromantischen und natürlichen Arrangements aus Blumen, Pflanzen und Zweigen» befassen sollte («Aus der Natur ins Haus»). Sodann stiess auf «Innere Heilung: Der neue Healing Code», ein Buch, das einfache Anleitungen verspricht, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich der eigenen Vergangenheit zu stellen. Besonders freute mich der Titel «Die Wunderkammer der deutschen Sprache», und neugierig wurde ich auf das «Laboratorium des Fortschritts», ein Buch, das sich mit der Frage befasst, wie «aus dem Kleinstaat Schweiz eine bedeutende Wirtschaftsmacht» wurde.

Man wird es bemerkt haben: ich habe mich diesmal nicht im Bereich der Belletristik und Literatur umgesehen, sondern mich bei Titeln aufgehalten, die gemeinhin unter dem Oberbegriff «Fachbuch» zusammengefasst werden. Natürlich muss man nicht immer mit allem einverstanden sein, was darin unterbreitet wird – manchmal formuliert sich in mir Widerspruch, manchmal sehe ich mich herausgefordert, einem Thema vertieft nachzugehen, aber immer wird das eigene Denken angeregt. Und dies zählt in einer Zeit der beinahe im Sekundentakt auf uns einprasselnden scheinbaren «unverrückbaren Tatsachen» mindestens doppelt.

Reiseabenteuer

12. Februar 2020

«Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen», heisst das geflügelte Wort, das auf ein Gedicht von Matthias Claudius (1740-1815) zurückgeht. Reisen kann man in vielerlei Hinsicht. Indem man äussere Eindrücke sammelt, in sich aufnimmt, bestaunt, dies entdeckt und jenes. Oder indem man sich auf «innere Reisen» begibt. Etwa beim Lesen, das einen entführt auf Reisen durch ferne oder imaginäre Welten, was die Fantasie anregt und uns nachdenklich stimmt. Oder heiter. Uns ein Lachen entlockt. Oder Tränen.

Ich habe in meinem Blog-Beitrag «Ferienlektüre» berichtet von meinen Leseplänen für die bereits wieder zurückliegenden Urlaubstage. Einen Teil dieser Lesereisen habe ich, losgelöst vom Alltag, inzwischen unternommen. Sie führten mich in sehr unterschiedliche Welten - geographisch nach Berlin und Holland, Norwegen und Italien, nach Australien…

Manchmal wird man nach der Rückkehr gefragt, ob die Reise «sich gelohnt» habe. Was so viel bedeutet wie: Ob die in den Reiseführern erwähnten und aufgezählten Sehenswürdigkeiten einen Besuch wert seien, ob die Küche wirklich so gut sei, wie manche schwärmten, oder die Preise so niedrig, wie andere lobten. Oder, oder, oder…

Also könnte man mich oder ich mich selbst fragen, ob es sich «gelohnt» habe, diese Lesereisen, abends oder frühmorgens auf der Terrasse, an den wenigen «Ruhetagen» untertags im Schatten, vor dem Einschlafen im Bett, zu unternehmen. Ja, finde ich, auf jeden Fall. Auch wenn – wie bei wirklichen Reisen – mich nicht jedes Leseerlebnis gleichermassen gefesselt und überzeugt hat. Und, dem Zufall meiner Auswahl geschuldet, ziemlich oft ein zu Ende gehendes Leben und der Tod im Mittelpunkt standen. Heiter und ernst, nachdenklich stimmend und unterhaltend – ein bunter Mix, wie ihn das reale Reisen ebenfalls bereithält.

(Meine Lektüre im Urlaub: Henrik Groen: «Lieber Rotwein als tot sein», Jostein Gaarder: «Der Geschichtenverkäufer» sowie «Genau richtig», Sibylle Lewitscharoff: «Von oben», Lorenz Langenegger: «Jahr ohne Winter», Karl Ove Knausgård: «Alles hat seine Zeit» - und, quasi als Zugabe: Anti Tuomainen: «Die letzten Meter bis zum Friedhof»)

Ferienlektüre

16. Januar 2020

Ich weiss nicht, wie dies andere Menschen halten, für mich jedenfalls ist klar: Ferien ohne Bücher sind für mich unvorstellbar. In dieser kostbaren Zeit geniesse ich das Lesen doppelt. Nichts, das mich ablenkt, keine Verpflichtung, die mir plötzlich in den Sinn käme. Dergestalt kann ich mich ganz den Geschichten hingeben, die ich mir für diese Tage ausgesucht habe.

Soweit, so einfach.

Kompliziert ist hingegen, was vor der Abreise abläuft: Welche Bücher soll ich mitnehmen, in welcher Stimmung werde ich mich näher oder ferner der Heimat befinden? «Alles» kann nicht mitreisen, alleine schon des Gewichts meines Koffers wegen.

Früher habe ich mich oft für Krimis entschieden. Inzwischen packe ich eher «schwerere Literatur» ein. Bücher, die ich im Verlaufe der zurückliegenden Monate erstanden habe, ohne die Zeit oder die Musse gefunden zu haben, ihnen jene uneingeschränkte Aufmerksamkeit entgegenzubringen, die sie verdienen. Also habe ich für meinen derzeitigen Urlaub Werke norwegischer Autoren (Jostein Gaarder und Karl Ove Knausgard) eingepackt, auf die ich nicht zuletzt dank der Frankfurter Buchmesse 2019 gestossen bin, Schweizer Schriftsteller dazu gepackt (Lukas Bärfuss, den Georg-Büchner-Preisträger 2019, und Lorenz Langenegger), Sibylle Lewitscharoff und Angela Kraus beigefügt und zuletzt, weil der Roman Spass verspricht, den man beim Lesen ja durchaus ebenfalls haben darf, Heindrik Groens «Lieber Rotwein als tot sein» eingesteckt.

Mit dieser Auswahl steht für mich fest, dass meine jetzigen Ferientage fernab der heimischen Kälte, also begleitet von Sonne, Wärme und dem leisen Rauschen des Ozeans, auch in literarischer Hinsicht zu einer weiteren Entdeckungsreise werden. Ob diese Hoffnung erfüllt würde? Darüber später…

Was wäre mir entgangen…

2. Januar 2020

Etwas lasse ich mir kaum je nehmen, wo immer ich mich auch aufhalte: Den Besuch einer Buchhandlung. Natürlich: Ich will ja nur hineingehen, mich ein wenig umsehen, erfahren, was im betreffenden Geschäft als besondere Empfehlung aufliegt, aber (diesmal wirklich) nichts kaufen…

Und doch verlasse ich den Laden nach geraumer Weile meist mit zwei, drei, vier, fünf neu erstandenen Büchern. Wohlverstanden: Ohne mich darüber zu ärgern, meinem guten Vorsatz einmal mehr untreu geworden zu sein.

Woran liegt’s?

Erstens mit Bestimmtheit daran, dass ich fürs Leben gerne lese. Und zweitens, dass ich in einer Buchhandlung – und zwar auch beim «x-ten» Besuch – immer wieder Überraschendes, mir unbekannt Gebliebenes, von mir Übersehenes vorfinde. Unter den «persönlichen Empfehlungen» im Laden habe ich schon so manches Buch abseits des sogenannten Mainstreams entdeckt, das mir viel Freude bereitet hat. So habe ich mich kürzlich nach meinem Besuch in der Buchhandlung während Stunden und Tagen amüsiert an Linus Reichlins aberwitziger Geschichte über «Keiths Probleme im Jenseits».

Was wäre mir entgangen, hätte da nicht eine Mitarbeiterin ein Buchzeichen mit «Meine Empfehlung» oder so ähnlich angebracht!

«Totgesagte» leben länger

1. Dezember 2019

«Seit der Existenz von Radio, Kino und Fernsehen können sich Menschen auch anders als mit einem Buch unterhalten (…) Aus Sicht des Buches hat sich hier nichts verändert. Ausser dass die Zahl der Alternativen zugenommen hat», lesen wir in einem Artikel, in einem der vielen, der sich mit der «Zukunft des Buchs» befasst.

Es ist gut, dass die «Zukunft des Buchs» immer wieder und aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet und hinterfragt wird. Das ist gut so, denn, indem man sich über die Zukunft Gedanken macht, ist der Beweis geführt, dass das Buch, das vielfach totgesagte, lebt. Und dies ziemlich üppig, wenigstens in Bezug auf die Quantität: An der Frankfurter Buchmesse 2019 präsentierten sich so 7450 Aussteller aus 104 Ländern mit ihren Werken. Allein das Gastland Norwegen stellte 100 ihrer Autorinnen und Autoren und deren Bücher vor.

Ob solcher Zahlen schleicht sich der unter Umständen etwas gewagte Gedanke ein: Vielleicht ist weniger das Buch an sich gefährdet, sondern droht ihm durch das Überangebot ein langsamer Erstickungstod. Denn wo der Überblick verloren geht, wendet sich der Mensch gerne einmal ganz ab: Ein Reflex der Unlust macht sich breit. Es graut einen, sich durch das Dickicht zu quälen.

Hier nimmt die Buchhandlung eine Mittlerrolle ein. Wer lesen möchte, sich aber zunehmend verunsichert wähnt, wer Lust darauf verspürt, Neues, verborgene Schätze zu entdecken, der stösst selbst in opulenten Online-Shops irgendwann an Grenzen. Im Gespräch mit Buchhändlerin oder Buchhändler lichten sich die Nebel, aus vagen Wünschen werden konkrete Vorstellungen. Flugs findet sich das Passende. Oder man lässt sich zur Entdeckung einer neuen Lesewelt verleiten.

Das mag ich an Buchhandlungen persönlich ebenso wie die Bücher an sich: Hier findet sich noch Zeit und begegnet man Menschen für ein Gespräch. Und so lebt nicht nur das Buch, sondern auch das Gespräch, das ebenfalls vielfach totgeredete, erfreulicherweise weiter.