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Der schlaue Martin stöbert

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Reiseabenteuer

12. Februar 2020

«Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen», heisst das geflügelte Wort, das auf ein Gedicht von Matthias Claudius (1740-1815) zurückgeht. Reisen kann man in vielerlei Hinsicht. Indem man äussere Eindrücke sammelt, in sich aufnimmt, bestaunt, dies entdeckt und jenes. Oder indem man sich auf «innere Reisen» begibt. Etwa beim Lesen, das einen entführt auf Reisen durch ferne oder imaginäre Welten, was die Fantasie anregt und uns nachdenklich stimmt. Oder heiter. Uns ein Lachen entlockt. Oder Tränen.

Ich habe in meinem Blog-Beitrag «Ferienlektüre» berichtet von meinen Leseplänen für die bereits wieder zurückliegenden Urlaubstage. Einen Teil dieser Lesereisen habe ich, losgelöst vom Alltag, inzwischen unternommen. Sie führten mich in sehr unterschiedliche Welten - geographisch nach Berlin und Holland, Norwegen und Italien, nach Australien…

Manchmal wird man nach der Rückkehr gefragt, ob die Reise «sich gelohnt» habe. Was so viel bedeutet wie: Ob die in den Reiseführern erwähnten und aufgezählten Sehenswürdigkeiten einen Besuch wert seien, ob die Küche wirklich so gut sei, wie manche schwärmten, oder die Preise so niedrig, wie andere lobten. Oder, oder, oder…

Also könnte man mich oder ich mich selbst fragen, ob es sich «gelohnt» habe, diese Lesereisen, abends oder frühmorgens auf der Terrasse, an den wenigen «Ruhetagen» untertags im Schatten, vor dem Einschlafen im Bett, zu unternehmen. Ja, finde ich, auf jeden Fall. Auch wenn – wie bei wirklichen Reisen – mich nicht jedes Leseerlebnis gleichermassen gefesselt und überzeugt hat. Und, dem Zufall meiner Auswahl geschuldet, ziemlich oft ein zu Ende gehendes Leben und der Tod im Mittelpunkt standen. Heiter und ernst, nachdenklich stimmend und unterhaltend – ein bunter Mix, wie ihn das reale Reisen ebenfalls bereithält.

(Meine Lektüre im Urlaub: Henrik Groen: «Lieber Rotwein als tot sein», Jostein Gaarder: «Der Geschichtenverkäufer» sowie «Genau richtig», Sibylle Lewitscharoff: «Von oben», Lorenz Langenegger: «Jahr ohne Winter», Karl Ove Knausgård: «Alles hat seine Zeit» - und, quasi als Zugabe: Anti Tuomainen: «Die letzten Meter bis zum Friedhof»)

Ferienlektüre

16. Januar 2020

Ich weiss nicht, wie dies andere Menschen halten, für mich jedenfalls ist klar: Ferien ohne Bücher sind für mich unvorstellbar. In dieser kostbaren Zeit geniesse ich das Lesen doppelt. Nichts, das mich ablenkt, keine Verpflichtung, die mir plötzlich in den Sinn käme. Dergestalt kann ich mich ganz den Geschichten hingeben, die ich mir für diese Tage ausgesucht habe.

Soweit, so einfach.

Kompliziert ist hingegen, was vor der Abreise abläuft: Welche Bücher soll ich mitnehmen, in welcher Stimmung werde ich mich näher oder ferner der Heimat befinden? «Alles» kann nicht mitreisen, alleine schon des Gewichts meines Koffers wegen.

Früher habe ich mich oft für Krimis entschieden. Inzwischen packe ich eher «schwerere Literatur» ein. Bücher, die ich im Verlaufe der zurückliegenden Monate erstanden habe, ohne die Zeit oder die Musse gefunden zu haben, ihnen jene uneingeschränkte Aufmerksamkeit entgegenzubringen, die sie verdienen. Also habe ich für meinen derzeitigen Urlaub Werke norwegischer Autoren (Jostein Gaarder und Karl Ove Knausgard) eingepackt, auf die ich nicht zuletzt dank der Frankfurter Buchmesse 2019 gestossen bin, Schweizer Schriftsteller dazu gepackt (Lukas Bärfuss, den Georg-Büchner-Preisträger 2019, und Lorenz Langenegger), Sibylle Lewitscharoff und Angela Kraus beigefügt und zuletzt, weil der Roman Spass verspricht, den man beim Lesen ja durchaus ebenfalls haben darf, Heindrik Groens «Lieber Rotwein als tot sein» eingesteckt.

Mit dieser Auswahl steht für mich fest, dass meine jetzigen Ferientage fernab der heimischen Kälte, also begleitet von Sonne, Wärme und dem leisen Rauschen des Ozeans, auch in literarischer Hinsicht zu einer weiteren Entdeckungsreise werden. Ob diese Hoffnung erfüllt würde? Darüber später…

Was wäre mir entgangen…

2. Januar 2020

Etwas lasse ich mir kaum je nehmen, wo immer ich mich auch aufhalte: Den Besuch einer Buchhandlung. Natürlich: Ich will ja nur hineingehen, mich ein wenig umsehen, erfahren, was im betreffenden Geschäft als besondere Empfehlung aufliegt, aber (diesmal wirklich) nichts kaufen…

Und doch verlasse ich den Laden nach geraumer Weile meist mit zwei, drei, vier, fünf neu erstandenen Büchern. Wohlverstanden: Ohne mich darüber zu ärgern, meinem guten Vorsatz einmal mehr untreu geworden zu sein.

Woran liegt’s?

Erstens mit Bestimmtheit daran, dass ich fürs Leben gerne lese. Und zweitens, dass ich in einer Buchhandlung – und zwar auch beim «x-ten» Besuch – immer wieder Überraschendes, mir unbekannt Gebliebenes, von mir Übersehenes vorfinde. Unter den «persönlichen Empfehlungen» im Laden habe ich schon so manches Buch abseits des sogenannten Mainstreams entdeckt, das mir viel Freude bereitet hat. So habe ich mich kürzlich nach meinem Besuch in der Buchhandlung während Stunden und Tagen amüsiert an Linus Reichlins aberwitziger Geschichte über «Keiths Probleme im Jenseits».

Was wäre mir entgangen, hätte da nicht eine Mitarbeiterin ein Buchzeichen mit «Meine Empfehlung» oder so ähnlich angebracht!

«Totgesagte» leben länger

1. Dezember 2019

«Seit der Existenz von Radio, Kino und Fernsehen können sich Menschen auch anders als mit einem Buch unterhalten (…) Aus Sicht des Buches hat sich hier nichts verändert. Ausser dass die Zahl der Alternativen zugenommen hat», lesen wir in einem Artikel, in einem der vielen, der sich mit der «Zukunft des Buchs» befasst.

Es ist gut, dass die «Zukunft des Buchs» immer wieder und aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet und hinterfragt wird. Das ist gut so, denn, indem man sich über die Zukunft Gedanken macht, ist der Beweis geführt, dass das Buch, das vielfach totgesagte, lebt. Und dies ziemlich üppig, wenigstens in Bezug auf die Quantität: An der Frankfurter Buchmesse 2019 präsentierten sich so 7450 Aussteller aus 104 Ländern mit ihren Werken. Allein das Gastland Norwegen stellte 100 ihrer Autorinnen und Autoren und deren Bücher vor.

Ob solcher Zahlen schleicht sich der unter Umständen etwas gewagte Gedanke ein: Vielleicht ist weniger das Buch an sich gefährdet, sondern droht ihm durch das Überangebot ein langsamer Erstickungstod. Denn wo der Überblick verloren geht, wendet sich der Mensch gerne einmal ganz ab: Ein Reflex der Unlust macht sich breit. Es graut einen, sich durch das Dickicht zu quälen.

Hier nimmt die Buchhandlung eine Mittlerrolle ein. Wer lesen möchte, sich aber zunehmend verunsichert wähnt, wer Lust darauf verspürt, Neues, verborgene Schätze zu entdecken, der stösst selbst in opulenten Online-Shops irgendwann an Grenzen. Im Gespräch mit Buchhändlerin oder Buchhändler lichten sich die Nebel, aus vagen Wünschen werden konkrete Vorstellungen. Flugs findet sich das Passende. Oder man lässt sich zur Entdeckung einer neuen Lesewelt verleiten.

Das mag ich an Buchhandlungen persönlich ebenso wie die Bücher an sich: Hier findet sich noch Zeit und begegnet man Menschen für ein Gespräch. Und so lebt nicht nur das Buch, sondern auch das Gespräch, das ebenfalls vielfach totgeredete, erfreulicherweise weiter.