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Der schlaue Martin stöbert

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Kreuzlingen gewinnt die Cyclomania-Challenge

07. Oktober 2021

Cyclomania, die schweizweite Mitmachaktion von Pro Velo Schweiz, hat im September 2021 zum zweiten Mal stattgefunden. Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten während einem Monat an 16 regionalen und einer schweizweiten Velo-Challenge mitfahren, Punkte sammeln und dadurch attraktive Preise gewinnen. Dieses Jahr sind die Challenges zum ersten Mal auch gegeneinander angetreten. Ausgezeichnet werden die drei Challenges mit den meisten und aktivsten Teilnehmenden. Dabei konnte sich die Stadt Kreuzlingen knapp vor Uster und Stäfä den Sieg sichern. "Wir freuen uns, dass viele Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger an der diesjährigen Cyclomania mitgemacht haben. Das Velo als umweltfreundliches Fortbewegungsmittel bekommt eine immer grössere Bedeutung und wir wollen als Stadt den Veloverkehr aktiv fördern. Mit der Cyclomania-Challenge konnte auf motivierende und spielerische Art entdeckt werden, wie einfach die Nutzung des Velos im Alltag ist", betont Stadtpräsident Thomas Niederberger. Die 246 registrierten Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger haben im September zusammen fast 16'000 Velokilometer abgespult. Das sind knapp 5000 Kilometer mehr als im Vorjahr. Punkten konnte Kreuzlingen auch mit der im Vergleich zu den anderen Regionen sehr hohen prozentualen Beteiligung: 1.098 Prozent der Bevölkerung hat bei der Veloaktion mitgemacht. Martina Eggenberger, Leiterin Stadtmarketing, freut sich: "Kreuzlingen ist eine velobegeisterte Stadt, davon zeugt die hohe Mitmach-Quote. Wir konnten unser gutes Ergebnis von 2020 noch einmal steigern. Das hat sicher auch mit unseren tollen lokalen Sponsoren – Tour de Suisse, Buchhandlung Bodan, Velo Rüegger und Thurgau Tourismus - zu tun. Aber nicht nur: Die Cyclomania-App ist gut gemacht und animiert zum Kilometer sammeln."

 

Insgesamt 6000 Personen haben sich schweizweit an den Challenges beteiligt und sind gemeinsam 400'000 km für Cyclomania geradelt. Zusätzlich dazu, dass Cyclomania der breiten Bevölkerung das Velofahren näherbringt, leistet die Aktion auch einen Beitrag zur Verbesserung der Velo-Infrastruktur. Die Cyclomania-App verwendet ein Tracking-System, welches das Mobilitätsverhalten der Nutzerinnen und Nutzer laufend erfasst. Die Mobilitätsdaten werden nach Abschluss der Aktion mit Einverständnis der Teilnehmenden den Gemeinden zur Verfügung gestellt. Durch die Kreuzlinger Velo-Challenge sind so 16'000 km an Velodaten zusammengekommen. Gemäss Thomas Niederberger ist dies wertvoll, weil die Verkehrsströme der Stadt aufzeigen, wo Massnahmen zur Förderung des Veloverkehrs rasch umgesetzt werden sollen. "Die stark frequentierten Velowege und -strassen sollen für den Velofahrer sicher und attraktiv sein."

 

In die gleiche Stossrichtung geht die grosse Umfrage, die ebenfalls Pro Velo für verschiedene Gemeinden und Städte lanciert und an der sich Kreuzlingen wiederum beteiligt. Sie läuft noch bis Ende November. Die Velofahrerinnen und Velofahrer sind gebeten, die Strasseninfrastruktur der Stadt aus ihrer Sicht zu bewerten. Im kommenden Frühling werden dann die velofreundlichsten Kommunen mit dem "Prix Velo Städte" ausgezeichnet.


NaNoWriMo!

06. Oktober 2021

Wir leben in einer Welt von Abkürzungen. Zum Beispiel «NaNoWriMo», das für «National Novel Writing Month» und damit für ein kreatives Schreibprojekt steht, das 1999 ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es dabei, im November einen Roman mit mindestens 50’000 Wörtern zu verfassen.

1999 nahmen 21 Teilnehmer aus der San Francisco Bay Area an diesem damals lokalen Anlass teil. Die Idee breitete sich rasch über den gesamten Globus aus, sodass 2020 nicht weniger als 552’335 Teilnehmende gezählt wurden. Hinter «NaNoWriMo» steht eine Non-Profit-Organisation.

In diesem Jahr wird der Wettbewerb auch durch unsere Buchhandlung unterstützt und gefördert.

Wie funktioniert es?

Auf der Webseite zur Aktion kann man kostenlos ein Konto erstellen. Man kann sich selbst und das aktuelle Schreibprojekt vorstellen, andere Autorinnen und Autoren zur Freundesliste hinzufügen und im Forum diskutieren. Man sieht: Auch dem sozialen Aspekt kommt – neben dem Schreiben – grosse Bedeutung zu.

Und die Regeln?

Mit dem eigentlichen Schreibprozess darf am 1. November um 0:00:01 Uhr Ortszeit des Teilnehmers begonnen werden. Der fertige Roman muss bis zum 30. November, 24 Uhr Ortszeit, über die NaNoWriMo-Webseite zur Verifizierung eingesandt werden. Bei der Verifizierung werden lediglich die Wörter gezählt, jedoch nicht der Inhalt bewertet. Das offizielle Ziel liegt bei 50’000 Wörtern. Der Fortschritt kann im eigenen Konto festgehalten werden. Wer das Ziel schafft, erhält eine offizielle Urkunde vom NaNoWriMo.

Was ist der Sinn?

Es geht hauptsächlich darum, durch die engen zeitlichen Vorgaben Hemmungen zu überwinden und «einfach drauflos zu schreiben», denn viele potenzielle Autorinnen und Autoren stellen zu hohe Anforderungen an sich und geben deshalb schnell entmutigt auf. Beim NaNoWriMo soll der «innere Lektor» für einen Monat abgeschaltet und ein erster Romanentwurf geschrieben werden, der später korrigiert und umgeschrieben werden kann.

Und letztlich: Einige Gewinner haben es geschafft, Romane, mit denen sie am Wettbewerb teilgenommen haben, von einem Verlag veröffentlichen zu lassen.

Viel Spass!



… und gewonnen hat …

20. September 2021

Wer aufgrund des Titels vermuten könnte, ich sei in der Lage, an dieser Stelle die Gewinnerin oder den Gewinner des diesjährigen Schweizer Buchpreises zu verraten, der irrt natürlich. Es wurden ja eben erst die Nominierten bekanntgegeben; die Preisverleihung – womit sich der Schleier lüftet – erfolgt erst am 7. November. Immerhin so viel: Es wurden aus 92 Titeln von 65 Verlagen Titel ausgewählt, die es allesamt verdienen, entdeckt zu werden.

Martina Clavadetscher ist mit ihrem zweiten Roman, «Die Erfindung des Ungehorsams», vertreten. Im Zentrum stehen drei Frauen und die Frage nach künstlicher Intelligenz: Iris tigert in Manhatten durch ihr Penthouse und wartet voller Ungeduld auf die nächste Dinnerparty, Ling kontrolliert als Angestellte in einer Sexpuppenfabrik im Südosten Chinas künstliche Frauenkörper auf Herstellungsfehler, und Ada Lovelace träumt im alten Europa von neuartigen Maschinen. Alle sind sie auf der Suche nach dem Kern der Dinge.

Thomas Duarte wiederum entlarvt in seinem Debutroman «Was der Fall ist» mit Ironie und Witz die Absurdität unseres Arbeitsmarktes am Beispiel eines Sachbearbeiters einer Stiftung, der auf einem Polizeiposten erzählt, wie sein Leben aus den Fugen geraten ist. Nicht nur wird er finanzieller Unregelmässigkeiten verdächtigt, er lässt auch eine illegal arbeitende Frau im Büro wohnen, die ihrerseits zu erzählen beginnt.

«Feuerland» heisst der nominierte Roman von Michael Hugentobler, dessen Ausgangspunkt zwei historische Figuren und ein einzigartiges Buch bilden. Thomas Bridges, der Ziehsohn eines englischen Missionars, wächst Mitte des 19. Jahrhunderts in Südamerika unter den Kindern der Yamana auf. Fasziniert von der reichen Sprache, beginnt er ein Wörterbuch anzulegen. Als die Nationalsozialisten in den 1930er Jahren beginnen, Bibliotheken zu plündern, versucht er, das Buch unter allen Umständen in Sicherheit zu bringen.

Zeitlich aufgespannt zwischen den grossen Schweizer Frauenstreiks 1991 und 2019 versammelt schliesslich «Grösser als du» von Veronika Sutter 15 lose verbundene Erzählungen über Beziehungen und über den Moment, wenn Liebe in Gewalt kippt.

«… und gewonnen hat …»? Auf diesen Moment gilt es nun zu warten. Lesend am besten.



Sarah Wohnlich

18. August 2021

Gut ausgebildete Fachkräfte sind das A und O jeder Unternehmung. Auch für unsere Buchhandlung ist es sehr wertvoll, junge Menschen für die Ausbildung zu gewinnen, die Begeisterung für das Produkt – das Buch – mitbringen. So wie Sara Wohnlich aus Gachnang, die im August ihre Ausbildungszeit als Buchhändlerin bei uns begonnen hat.

Sara Wohnlich hat schon immer gerne gelesen. Schon von klein auf interessierte sie sich für Bücher, verriet uns die aufgestellte, fröhliche angehende Buchhändlerin. Heute sind Fantasy-Romane ihre Lieblingswerke. «Ich liebe es, wenn ich dank ihnen dem Alltag entfliehen und in ganz andere Welten eintauchen kann», hat sie uns erzählt, denn da lerne man vieles kennen, was im Alltag verborgen bleibt.

Wir wünschen ihr einen guten Start!



Die Farbe der Dinge

26. Juli 2021

Mitunter glaubt man, mit dem Virus sei ein Teil der Welt zum Stillstand gekommen – oder mehr noch: Habe endgültig aufgehört zu existieren. Manches, was sich zuvor nicht zuletzt deshalb einer beachtlichen Wirkung in der Öffentlichkeit erfreute, bleibt derzeit eher verborgen, weil die damit verbundenen öffentlichen Anlässe, «die ganz grosse Bühne», fehlen.

Schön, dass einiges bereits wieder ziemlich normal verläuft. Beispielsweise die zweite Verleihung des Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreises, die erstmals vor Publikum stattfinden konnte. Und erst noch mit einem spannenden Ergebnis, nämlich einem Buch, das – so die kurze Wertung – «nur so vor Innovationskraft strotzt.»

«Die Farbe der Dinge» des Genfers Martin Panchaud ist Familiendrama, Roadnovel und Entwicklungsroman zugleich. Der 39-jährige Autor geht darin radikal neue Wege. Dass Buch enthält viele Piktogramme, Infografiken und Symbole. Die Figuren sind Punkte. Einige der Punkte unterhalten sich bereits auf dem Cover über den Inhalt der Geschichte. Und der handelt von Simon, 14, wohnhaft in einem Londoner Vorort. Von den Jungen aus dem Viertel wird er ständig gehänselt und zu allerlei Blödsinn angestachelt. Eines Tages hilft er einer Wahrsagerin beim Einkaufen. Als Dank verrät sie ihm den Gewinner des nächsten Pferderennens. Simon plündert die Ersparnisse seines Vaters, setzt auf den Aussenseiter – und gewinnt mehrere Millionen. Das Problem: Ein Erwachsener muss den Schein unterschreiben…

Panchaud spielt mit verschiedensten Bild- und Textformaten. Einige sind vertraut, andere entstammen der modernen digitalen Kultur. Es gibt Strassenkarten, Zeitungsausschnitte, Kassenbelege. Und es gibt Infografiken, Chatverläufe, Piktogramme. Die Lesenden schweben über der Geschichte. Filmähnliche Sequenzen – schnell geschnitten – und packende Dialoge schaffen es, dass man mit der Hauptfigur rennt, bibbert und kämpft. Obwohl die Figur nur ein Punkt ist.

Insgesamt ein tolles Lese- und überhaupt ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen und den jungen Lesebegeisterten und allen, die es noch werden wollen, nicht vorenthalten sollte.



Auf zwei Rädern unterwegs

3. Juni 2021

Endlich wieder schönes Wetter! Und schon zogen sie am Haus vorbei, die vielen Velofahrerinnen und -fahrer, die den Sonnenschein und die ersehnte erste Wärme nach der Mai-Kälte für eine kleinere oder grössere Tour ausnutzten. Velofahren boome, las ich fast zeitgleich in der Zeitung – und in der Tat: Der «Augenschein» bewies es aufs Deutlichste.

Velo- oder eben: Radfahren ist auch in der Buchhandlung Trumpf, wo man eine Vielzahl von Führern und Geschichten von heiter bis besinnlich, Tipps, Anregungen und Leitfäden zum Beispiel für die richtige Vorbereitung findet.

Übrigens: Auch für Kinder gibt es die passende Geschichte, fiel mir beim Stöbern auf: Astrid Lidgrens «Na klar, Lotta kann Rad fahren» habe ich da entdeckt. Für Anfänger wiederum hält die Buchhandlung beispielsweise «Radfahren - Eine Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene» bereit, die übrigens bereits 1953 erschien und auch Geschichtliches enthält, denn das Buch geht zurück bis in die Anfänge des Velofahrens in der Freizeit, als ein Picknick am Strassenrand noch als Ereignis galt und die Manieren im Strassenverkehr noch hochgehalten wurden. Heitere Erlebnisse aus aller Welt wiederum verspricht «111 Gründe, das Radfahren zu lieben.»

Und natürlich dürfen die Vorschläge für grössere und kleinere Touren in unserem Land nicht fehlen.

«Erlebnis Schweiz – Velotouren am Wasser» etwa verbindet den Biker- mit dem Badespass – auch für die ganze Familie! Die Challenges bei den Touren an quirligen Wasserläufen, Flüssen und lauschigen Seen sind unterschiedlich, fast an jeder Route finden sich attraktive Badestellen. Oder: Ein Netz von 63 markierten Velorouten, 5000 km frei nach Wunsch kombinierbar – sie werden in «Auf den schönsten Velorouten unterwegs durch die Schweiz» vorgestellt.

Fazit: Wer etwas auf zwei Rädern erleben oder mehr über die «Stahlesel» erfahren will, ist mit einem Besuch der Buchhandlung gut beraten – ob direkt im Laden, wo man sich auch beraten lassen kann, oder im Online-Shop; das Angebot ist beeindruckend.



Was ich an dir liebe

3. Mai 2021

Der Muttertag ist die perfekte Gelegenheit, ein ganz grosses Dankeschön auszusprechen. Verbunden mit einem Geschenk. Blumen, ja, Blumen gehören auf jeden Fall dazu. Und dazu etwas, das über die folgenden Monate hinaus Freude bereitet. Man sollte es dabei allerdings nicht so machen, wie einst ein Freund von mir. Er schenkte seiner Mutter zum Muttertag ein Kochbuch. Sie nahm es persönlich, wie er mir erzählte: «Heisst das, dass du unzufrieden bist mit dem, was bei mir täglich auf den Tisch kommt?».

Nun, in der Buchhandlung gibt es zahllose Anregungen, womit man der Mutter ein ganz spezielles Lesevergnügen schenken könnte. Oder gleich die ganze Familie zu einem gemeinsamen Erlebnis einbezieht. Ich habe da etwas entdeckt: «Was ich an dir liebe» – ein Fragespiel für die ganze Familie. Mit diesen unterhaltsamen und inspirierenden Fragen in Form eines Kartenspiels, entstanden zum Bestseller von Alexandra Reinwarth, kommen Familien wieder einmal so richtig ins Gespräch: Wer in der Familie ist der grösste Optimist? Auf wen kann man ich immer verlassen? Welche Eigenschaften und Eigenarten hast du von der Mutter? Welche von deinem Vater? Beim Beantworten solcher und vieler anderer Fragen entstehen lustige Momente, werden nostalgische Erinnerungen wach – und man erfährt mit Sicherheit viel Menge Überraschendes voneinander. Ein Geschenk, das nicht nur m Muttertag Sinn macht, sondern ein wunderbares Spiel für Familienfeiern oder gemütliche gemeinsame Abende zu Hause.



Schöne Überraschung

20. April 2021

Wer am Samstag, 24. April 2021, meine Lieblingsbuchhandlung aufsucht, wird eine schöne Überraschung erleben: Zusammen mit über 130 weiteren Thurgauer Fachgeschäften erhalten alle Kundinnen und Kunden eine Rose überreicht – als Dankeschön für die Treue zum Thurgauer Detailhandel.

Was liegt da näher, als sich gleichzeitig daran zu erinnern, dass man schon lange gerne mehr über Rosen, Rosenpflege und Rosenzucht erfahren hätte? Schlicht «Rosen» nennt sich so zum Beispiel ein sehr schönes Werk, das alles zur Rosenpflege enthält, aber auch über 200 der gängigsten Rosensorten vorstellt. Man wird sehen, dass Rosen zu Unrecht als «schwierig» zu pflegen gelten. Wer einige Grundregeln beachtet, hat lange Freude an seinen Rosen. Dieses Basiswissen wird im Praxisteil kompetent und anschaulich erläutert und abgebildet. Der Porträtteil sodann hilft nicht zuletzt bei der Auswahl für den eigenen Garten – wobei «unsterbliche Klassiker» und ganz neue Rosensorten vorgestellt werden.

Neues zum Thema entdecken und gleichzeitig mit einer Rose beschenkt werden – was gibt es Schöneres.



Zubehör

11. März 2021

Ich gebe zu: Beim Thema «Literatur» bin ich konservativ geblieben. Nicht, was die Beachtung oder den «Konsum» quer durch die Vielfalt des Angebots, der «Genres», betrifft. Aber in der Art, Geschichten zu geniessen.

Das gedruckte Wort dominiert bei mir seit jeher, obwohl die Bücherregale permanent überquellen. E-Books kann ich kaum Begeisterung abgewinnen.

Und Hörbücher …? Sie sind, zugegeben, bislang spurlos an mir vorbeigegangen.

Obwohl …

Lese ich hier und dort, dass diese oder jene bekannte und von mir geschätzte Schauspielerin, dieser oder jener bekannte Schauspieler ein bemerkenswertes Werk als Hörbuch eingelesen habe, überlege ich mir schon manchmal, ob ich vielleicht nicht doch schwach werden sollte.

Wie dem auch sei: Es gibt sie, die Hörbuchfans. Und das ist gut so. Mit Geschichten in Kontakt zu treten, kann auf vielfältige Weise erfolgen – Hauptsache, es geschieht. Es gibt also gute Gründe für das Hörbuch, das man, wie dies einige meiner Freunde tun, zum Beispiel auch beim Fitness-Training, beim Joggen und bei anderen Gelegenheiten geniessen kann, für die sich das gedruckte Buch schlecht eignet.

Schön finde ich, wenn die Lieblingsbuchhandlung nicht nur bereithält, was man gedruckt, oder in diesem Fall eben: vorgelesen, nach Hause tragen oder sich liefern lassen kann – sondern auch anbietet, was man ausserdem benötigen könnte, um direkt in fremde Welten abzutauchen. Die passenden Kopfhörer beispielsweise in vielerlei Ausführungen.



Bodan AG: Die Thurgauer Buchhandlung und Papeterie

8. Februar 2021

Seit 1911 bietet die heutige Bodan AG Buchhandlung und Papeterie an der Kreuzlinger Hauptstrasse ein Vollsortiment für den Büro-, den Heimbedarf und alles, was die Herzen von Leseratten höherschlagen lässt. Im und über das Ladengeschäft sowie die Online-Shops für Bücher und Papeterie-Artikel ist das Thurgauer Unternehmen weit über die Region hinaus bekannt für eine kompetente Beratung und eine rasche Belieferung von Privat- und kommerziellen Kunden.

Der erste Lockdown hat gezeigt, wie wichtig regional verankerte Geschäfte sind. Sie bleiben in schwierigeren Situationen erreichbar und halten die Versorgung mit lebenswichtigen und allen anderen Gütern aufrecht. «Natürlich können wir heute fast alles irgendwo auf der Welt online bestellen und nach Hause liefern lassen», sagt Claudia Ruckstuhl, «doch wir lesen gleichzeitig auch regelmässig von der Paket-Flut, welche die Post beinahe zusammenbrechen lässt, von der Verpackungsschwemme, die Sorgen bereitet und so weiter. Behindern zusätzlich, wie in den letzten Tagen, schwierige Wetterbedingungen die Versorgung, wird allerspätestens klar, wie wichtig zuverlässige regionale Versorger sind.»

Wichtige Arbeits- und Ausbildungsplätze

Dies gilt nicht nur für Privatkundinnen und -kunden. Auch für Unternehmen, Vereine und Verbände und öffentliche Institutionen ist es von enormer Bedeutung, dass die Lieferketten ohne Unterbruch funktionieren. Auch für kommerzielle Kunden hält die regional und kantonal gut verankerte Bodan AG ein weitgefächertes Angebot bereit: Dank der zum Unternehmen gehörenden Druckerei stehen auch Dienstleistungen von Digital- über Offsetdruck für kleine bis sehr grosse Auflagen, professionelle Gestaltung und die Entwicklung elektronischer Kommunikationsmedien bis hin zum Verpacken und zum Versand zur Verfügung. «'Lokal kaufen, Arbeitsplätze sichern', lautet ein Slogan, an den man gerade in solchen Zeiten vermehrt denkt», sagt Claudia Ruckstuhl, die mit ihrem Bruder Urban die Bodan AG führt,

« und er ist aus unserer Sicht noch zu erweitern: 'Lokal kaufen, Arbeitsplätze und Versorgung sichern'. Für gute und insbesondere für weniger gute Zeiten.» Nebst einem umfassenden Angebot und wichtigen Arbeitsplätzen bietet das seit jeher in thurgauischen Händen befindliche Unternehmen nicht zuletzt jungen Leuten wertvolle Arbeitsplätze an. In der Berufsbildung werden bei der Bodan AG Kreuzlingen (Hauptstrasse 35 / Zelgstrasse 1) sechs

Berufsbilder mit grossem Engagement ausgebildet; es sind dies Kauffrau/Kaufmann, Polygraf/-ln, Drucktechnologe/-ln, Druckausrüster/-ln, Detailhandelsfachfrau/-mann sowie Buchhändler/-ln.

Take-away für Ladenkunden

In Zeiten wie diesen sind Ideen gefragt, um die gewohnten Dienstleistungen weiterhin uneingeschränkt anbieten zu können. Bücher zählen nicht zu den Gütern «des täglichen Bedarfs», Papier- und Schreibwaren hingegen schon: So hat es der Bundesrat in seiner jüngsten Corona-19-Verordnung festgelegt. Dies hat die Voraussetzungen für die Buchhandlung und Papeterie Bodan AG an der Hauptstrasse in Kreuzlingen keineswegs vereinfacht. «Wie beim ersten Lockdown sahen wir uns gezwungen, das Ladengeschäft ganz zu schliessen», erklärt Claudia Ruckstuhl

Wie bereits beim ersten Lockdown liess man sich etwas einfallen. Im Frühjahr wurde der beliebte Hauslieferdienst mit eigenen Chauffeuren ausgebaut, nun gibt es in Kreuzlingen für die lokale und regionale Kundschaft den «Bodan Take-Away» unter dem Motto: Was im Gastronomie-Bereich funktioniert, kann auch für Buchhandlung und Papeterie nicht falsch sein. «Mit unserem Take-away ist das gesamte Sortiment von Buchhandlung und Papeterie weiterhin erhältlich», freut sich Claudia Ruckstuhl, «telefonisch oder per E-Mail bestellte Artikel können an einer speziellen Theke im Treppenhaus abgeholt werden.» Als kleines Dankeschön offerieren wir jedem einzelnen Kunden einen « Kaffee-to-go» !

Daneben funktionieren selbstverständlich die Online-Shops mit der Möglichkeit der Hauslieferung weiterhin zuverlässig und rasch - lokal, regional und kantonal.

Die Bodan AG in Kreuzlingen ist ein familiengeführtes Unternehmen, zu dem neben Buchhandlung und Papeterie die gleichnamige Druckerei zählt. Seit 1965 liegt die Verantwortung in den Händen der Familie Ruckstuhl, heute in der zweiten Generation in Geschäftsleitung und Verwaltungsrat vertreten durch die Geschwister Claudia und Urban Ruckstuhl.


Dürrenmatt

8. Januar 2021

Dürrenmatt

Ich sehe mich noch über das Buch, «Der Verdacht», gebeugt – Pflichtlektüre im Deutschunterricht: «Kein guter Krimi, aber mit Absicht», habe ich damals notiert, «denn Dürrenmatt wollte sein Anliegen an den Mann bringen!» Von Friedrich Dürrenmatt ist die Rede, «der grosse Denker mit Stift und Pinsel», wie ihn das Schweizer Fernsehen kürzlich würdigte, vom grossen Schweizer Schriftsteller, der am 5. Januar 100 Jahre alt geworden wäre. Eingestiegen waren wir damals mit «Der Richter und sein Henker», in dem es um die Fragen zu Moral und Gerechtigkeit geht, die Dürrenmatts Werk prägen.

Man mag Feierlichkeiten zu derartigen «runden Geburtstagen» mitunter skeptisch gegenüberstehen. Im vorliegenden Fall lohnte es sich jedoch wahrlich, bei dieser Gelegenheit einen der ganz Grossen der deutschsprachigen Literatur wieder oder neu zu entdecken. Nicht vergessen werden dürfen neben dem erzählerischen Werk dabei so grossartige (so benannte) Komödien wie «Der Besuch der alten Dame» oder «Die Physiker». Zu letzterem Werk merkte Dürrenmatt unter anderem an, was für seine Arbeit generell galt: «Ich gehe nicht von einer These, sondern von einer Geschichte aus. Geht man von einer Geschichte aus, muss sie zu Ende gedacht werden. Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat. Die schlimmstmögliche Wendung ist nicht voraussehbar. Sie tritt durch Zufall ein.»

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen manches erschwert, das Lesen aber weiterhin ohne Einschränkungen möglich ist, schiene mir das (Wieder-)Eintauchen in Dürrenmatts Welt eine empfehlenswerte Option zu sein.


 

Was soll es denn sein?

7. Dezember 2020

Ich weiss nicht, wie es andere Menschen handhaben, aber bei mir ist es so: Die Menge an Geschenken, die ich zu Weihnachten überreiche, hat im Verlaufe der Jahre abgenommen. Dafür, bilde ich mir wenigstens ein, sind die Geschenke individueller geworden. «Passender», einfach ausgedrückt. Beim Schenken ziehe ich natürlich auch Bücher in Betracht. Nicht erst seit heute, aber je länger, desto öfter und lieber.

Und hier beginnt, anders als zu unterjährigen Geschenk-Gelegenheiten, die Krux. Ich persönlich finde – man mag mich altmodisch schimpfen –, «allzu Blutiges» passe schlecht zu Weihnachtskerzen und Christbaum. Und etliche Ratgeber fallen angesichts der gemütlichen, eher weniger linienbewussten Essen zwischen Advent und Beginn des neuen Jahres tendenziell auch ausser Betracht.

Der langen Rede kurzer Sinn: Die Suche nach dem passenden Buchgeschenk gestaltet sich für mich in diesen Tagen aufwändig. Und, anders als sonst, ist selbst das Internet weniger hilfreich als bei anderen Gelegenheiten, habe ich in diesen Wochen erfahren: Es sind zu viele Parameter bei der Suche zu berücksichtigen.

Der Tipp (selbsterprobt): Ich schildere das «Problem» der Mitarbeiterin in der Buchhandlung. Über mit bekannte Lieblingsautorinnen und -autoren der zu beschenkenden Person über differenziertere Vorlieben beim bevorzugten «Genre», mitunter auch über Alter oder Lebensumfeld und … und … und … lässt sich selbst bei absoluter Ratlosigkeit das Passende finden. Trefferquote, wenn man so will: Über neunzig Prozent.

Das will etwas heissen. Vielleicht machen auch Sie in den noch verbleibenden Tagen die Probe aufs Exempel?


 



 

Neuerscheinung der beiden Thurgauer Autoren Charles Maurer und Christoph Sutter

17. November 2020

Mit sati­ri­schem Humor und erfrischenden Gedanken verstehen es die beiden bekannten Thurgauer Autoren Charles Maurer (Erzählungen) und Christoph Sutter (Verse) dieses Büchlein zu einer vergnüglichen Lektüre zu machen. Zahlreiche thematisch passende, feine Skizzen von Vreni Kauth beleben dieses attraktive Buch.

Charles Maurer, ehemaliger Staatsschreiber des Kantons Thurgau, ist Autor zahlreicher juristischer Fachpublikationen. Seit seiner Pensionierung verfasst er humoristische Erzählungen zu Politik und Justiz und ist Autor eines Krimis, der in Frauenfeld spielt. Christoph Sutter ist als Lehrer, Texter, Poet und Musical- und Theaterautor bekannt. Seine leichtfüssigen, humorvollen, teilweise aber auch tiefsinnigen Verse und Wort­spiele sind in der Ostschweiz Kult. Für sein Schaffen erhielt Sutter mehrere Preise im In- und Ausland. Vreni Kauth betreibt nach verschiedenen themenspezifischen Aus- und Weiterbildungen ein eigenes Malatelier in Frauenfeld und stellt ihre Kunst regelmässig in Galerien aus.

Auf 96 Seiten erwarten Sie unterhaltende Geschichten und humorvolle Verse!

Gerne nehmen wir Ihre Bestellung entgegen.

 



 

Preise, Preise, Preise …

15. Oktober 2020

Das laufende wird in fast jeder Beziehung als besonderes Jahr in die Geschichte eingehen. Bezogen auf «das Buch» bedeutete dies beispielsweise, dass die grossen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt nicht in der gewohnten Form durchgeführt werden konnten. Dies mag die begeisterte Leserin, den eifrigen Leser wenig berühren. Dennoch: Es sind damit einige Eckpunkte vielleicht auch in unserer bloss unterbewussten Wahrnehmung weggebrochen.

Von den notwendigen Beschränkungen waren natürlich auch zahlreiche Preisverleihungen betroffen. Und wir haben eventuell gemerkt: Es macht halt doch einen Unterschied, ob solche Ereignisse mit (grossem) Publikum begangen oder «nur» digital «gefeiert» werden.

Aber es gab sie, die Preisverleihungen! Der diesjährige Nobelpreis für Literatur beispielsweise ging an die hierzulande kaum bekannte amerikanische Lyrikerin Louise Glück. Sie wurde am 22. April 1943 in New York geboren, lebt in Cambridge, Massachusetts, und ist Professorin an der Yale Universität in New Haven. Ihr erster Gedichtband («Firstborn») erschien 1968. Ihm folgten elf weitere Gedicht- und einige Essaybände. Auf Deutsch erschienen unter anderem die Gedichtsammlungen «Averno» (2007), in der sie sich dem Zusammenspiel von Mythologie und Mensch nähert, und «Wilde Iris» (2008) über den Kreislauf von Natur und menschlichem Dasein. Mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde Anne Webers Buch «Annette, ein Heldenepos», das – so die Jury – «das Leben der Anne Beaumanoir in einem brillanten biografischen Heldinnenepos» aufzeichnet.

In Zeiten wie diesen bedarf es, so meine Empfindung, einer etwas intensiveren Beschäftigung, um über das «Vehikel» dieser vielen Preise vielleicht die eine oder andere Entdeckung zu machen, doch im Internet findet sich bekanntlich ja (beinahe) alles. Oder noch besser: Man sucht gleich die Lieblingsbuchhandlung auf und lässt sich beraten – oder von der geschmackvollen Präsentation «verführen», wie es mir erst kürzlich wieder widerfuhr, was mich, will ich nicht verhehlen, glücklich stimmte.



 

Cyclomania

9. September 2020

Machen Sie doch auch mit! Bis zum 30. September 2020 können Sie am diesjährigen CYCLOMANIA teilnehmen. 19 Challenges in der ganzen Schweiz mit insgesamt 76 tollen Etappen- und Hauptpreise erwartet Sie! Einfacher geht’s nicht: App runterladen, anmelden und losradeln -
www.cyclomania.ch!

Märchenstunde

2. September 2020

Höre oder lese ich das Wort «Märchenstunde», so werden Erinnerungen wach an eine Zeit, als man noch keine DVD, eine VHS- oder Audio-Kassette einschob oder auf den TV-Knopf auf der Fernbedienung drückte, um die Kinder auf eine Reise in die Märchenwelten zu schicken. Nichts dagegen! Aber wie schön war es doch damals, als eine erwachsene Person sich hinsetzte, zu einem Buch griff, man selbst sass vor oder neben ihr, und eine Geschichte vorzulesen begann. Wurde es arg gruselig, konnte man sich an die Erzählende kuscheln – doch gleichzeitig wusste man tief im Innersten: Das Gute würde siegen.

Märchenstunden gibt es heute noch (oder wieder), und das finde ich schön. Besonders schön ist es natürlich, wenn man nicht alleine zuhört, sondern in einer bunten Runde zusammensitzen und lauschen, sich freuen, hoffen und lachen kann. In unserer Buchhandlung in Kreuzlingen ist dies übrigens regelmässig möglich. Die nächste Gelegenheit bietet sich am Samstag, 5. September. Drei weitere Anlässe bis in die Vorweihnachtszeit hinein sind geplant. Eine tolle Sache, finde ich, und ein Erlebnis für junge und etwas weniger junge Zuhörerinnen und Zuhörer.



 

Eine Welt im Wandel

4. August 2020

Heute habe ich etwas gesucht im Internet und bin, wie es wohl nicht nur mir so geht, «vom Weg abgekommen». Plötzlich fand ich mich in einem Forum wieder mit zahlreichen Beiträgen zur Frage: «Sind nur dicke Bücher gute Bucher?» Erst dachte ich, es handle sich um Satire, doch wurde mir schnell klar: Mitnichten! Mir erschien es zwar nachgerade grotesk, die Seitenzahl von Büchern als (ultimatives) Qualitätsmerkmal auch bloss in Erwägung zu ziehen, aber heute soll man sich ja über nichts mehr wundern.

Während ich noch kopfschüttelnd weiterlas, fielem mir eine ganze Reihe «schmaler Bücher» in meinem Besitz ein, die diese «Regel» von «dick gleich gut – dünn gleich …» Lügen strafen, und dabei ganz besonders Arno Camenisch. Der Bündner Autor entwickelt seine Welt von «Kurz»roman zu «Kurz»roman weiter.

Seine «Welt» mag geografisch eng gefasst sein, klein ist sie jedoch mitnichten. Über die Jahre und die Bücher hinweg bieten die Geschichten immer auch Reflexionen über die Gegenwart in ernster oder so heiterer Form wie in seinem jüngsten Werk, «Goldene Jahre.» Es mag zwar dem Titel nach vermuten lassen, alles beziehe sich auf jene Zeit, als die Umfahrungsstrasse noch nicht gebaut war, doch auch nach 51 Jahren stehen Margrit und Rosa-Maria mit ihrem Kiosk samt Tankstelle mit beiden Beinen im Leben und kommentieren aus der Erinnerung an das Gestrige vieles aus der Welt von heute.

«Ich erzähle von einer Welt im Wandel», sagt Arno Camenisch. Hier verbindet sich das Kleine und das Grosse. Charmant, mit Witz und immer mit der Liebe zu seinen Heldinnen und Helden, erzählt der Autor seine Geschichten.

Arno Camenisch gastiert mit seinem jüngsten Buch «Goldene Jahre» am Donnerstag, 27. August, 19.30 Uhr, in unserer Buchhandlung.



 

Preise, Preise, Preise

1. Juli 2020

Sich lesend auf Entdeckungsreisen zu begeben: Dazu lade ich nicht zum ersten Mal ein. Doch wie stellt man das an – besonders dann, wenn es einen gelüstet, aus dem Gewohnten auszubrechen, sich auf Neuland vorzuwagen, sich hinein in das Unbekannte zu stürzen, das neue Erlebnisse verspricht?

Es gibt die verschiedensten Rezepte. Unter anderem mache ich mir dabei die Flut der Buchpreise zunutze, die Jahr für Jahr verliehen werden. Nicht, dass ich blindlings all das oder einen Grossteil davon erwerben würde, was hier ausgezeichnet wird. Aber als Quelle der Inspiration, als Wegweiser gewissermassen, als Ausgangspunkt, sind diese Titel und Listen allemal hilfreich.

Dergestalt bin ich jüngst auf die Gewinnerin des Solothurner Literaturpreises 2020, die Österreicherin Monika Helfer und ihren aktuellen Roman «Bagage» gestossen. «Diese Geschichte beginnt nämlich, als meine Mutter noch nicht geboren war. Die Geschichte beginnt, als sie noch gar nicht gezeugt war. Sie beginnt an einem Nachmittag, als Maria wieder einmal die Wäsche an die Leine klammerte», heisst es darin. Es sind dies Sätze, die (mich) neugierig darauf machen, diese bäuerliche Familiengeschichte zu Zeiten des Ersten Weltkriegs zu lesen und zu erfahren, ob ich ebenso empfinde wie die Jury, die in ihrer Würdigung schrieb: «Gerade ihre Kunst der Auslassungen und Leerstellen machen Helfer zu einer Meisterin der Verdichtung.»

Das «Lieblingsbuch des Deutschschweizer Buchhandels 2020» wiederum ist Delia Owens’ «Der Gesang der Flusskrebse», ein «schmerzlich schönes Debüt, das eine Kriminalgeschichte mit der Erzählung eines Erwachsenwerdens verbindet und die Natur feiert», wie die New York Times schrieb. Ist es nicht – nur – dieses Buch, so bietet dies doch auch Anlass, sich wieder einmal umzusehen, was sich in der amerikanischen Literaturwelt tut.

Oder man könnte beispielsweise die Gewinnerin des Thomas-Mann-Preises 2020 entdecken wollen und damit Nora Bossong, beziehungsweise deren hier ausgezeichneter Roman «Gesellschaft mit beschränkter Haftung» eine – wie es in einer Kritik hiess, «psychologisch anspruchsvolle Studie über den Einfluss von Macht auf den Charakter.» Was schon rein thematisch das Tor zu weiteren Entdeckungsreisen weit aufstösst.

Oder, oder, oder …

Preise sind eine schöne Anerkennung für die Autorinnen und Autoren, die sie erhalten – und führen uns an den Ausgangspunkt vieler möglicher literarischer Ausflüge.

Oder aber, man beschreitet einen anderen Weg. Eine meiner Bekannten meinte dazu einst: «Die Buchhändlerin ist für mich wie die Coiffeuse: Sie weiss genau, was ich mag.»

In diesem Sinne: Auf in die Lieblingsbuchhandlung des Vertrauens.



 

Was wäre die Literatur ohne die Liebe

3. Juni 2020

Lieblingsbücher sind ganz spezielle Bücher. In den letzten Wochen und Monaten fand ich endlich wieder einmal Zeit, mir über meine persönlichen Lieblingsbücher klar zu werden. Und da durfte natürlich das ganz grosse Thema der Literatur – die «Liebe» – nicht fehlen. Denn was wäre die Literatur ohne «die Liebe»!

Mein absolutes «Lieblingsbuch» über die Liebe ist streng genommen kein Buch, sondern ein Eintrag in Max Frischs Tagebuch (1946 – 1949) unter dem Titel «Du sollst dir kein Bildnis machen», ein Leitfaden gewissermassen, der mich ein Leben lang begleitet hat (und den ich mitunter leider vergass): «Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen (…) Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertigwerden: weil wir sie lieben; solang wir sie lieben.»

Wenn ich mich schliesslich entschieden habe, aus den vielen Büchern Jostein Gaarders «Genau richtig» auszuwählen, so deshalb, weil diese Geschichte des norwegischen Autors mich tief bewegt hat – diese kurze Geschichte einer langen Nacht: «Eirin und ich haben einander ernst versprochen, in guten wie in bösen Tagen zusammenzuhalten. Die guten Tage, fast nur gute, liegen hinter uns», bilanziert Albert, der eine schlechte ärztliche Diagnose erhalten hat: «Jetzt kommen die bösen Tage, aber vielleicht können wir auch darin etwas Gutes finden.»

Schöner, finde ich, kann man Hoffnung auf die Kraft der Liebe fast nicht ausdrücken.

Daneben haben sich mir in der jüngeren Vergangenheit einige andere Betrachtungen der Liebe aus unterschiedlichsten Blickwinkeln eingeprägt und mich berührt. Julian Barnes’ «Die einzige Geschichte» zum Beispiel. Oder Tadeusz Dabrowskis «Eine Liebe in New York». Oder, etwas weiter zurück, «Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins» von Milan Kundera: «Soll die Liebe unvergesslich sein, so müssen sich vom ersten Augenblick an Zufälle auf ihr niederlassen wie die Vögel auf den Schultern des Franz von Assisi.»

Oder ...

Es gibt tatsächlich so viele wunderbare Liebesgeschichten – tragische, heitere, besinnliche –, dass man nur empfehlen kann: Sie zu entdecken oder sie erneut zu lesen, lohnt sich immer.


 

Lachen macht glücklich

8. Mai 2020

In diesen Tagen wurde ich oft gefragt, wie ich mir denn so die Zeit vertreibe, was sich geändert habe, was gleichgeblieben sei. Zweifellos: Diese Wochen, die man «neudeutsch» als «Lockdown» bezeichnet hat, hielt besondere Herausforderungen bereit. Die wichtigen persönlichen Begegnungen reduzierten sich auf ein Minimum, man war «auf sich selbst zurückgeworfen», oder, um es positiver auszudrücken: Fand endlich die Zeit, manches von dem in Ruhe zu erledigen, wofür in normalen Tagen meist die Musse fehlt. Oder die Lust…

Nebst mancher anderen Beschäftigung fand ich jedenfalls genügend Zeit, Bücher zu lesen, die ich schon lange lesen wollte. Doch irgendwann wurde, was ich mir für ruhige Stunden, in denen ich mich voll und ganz auf den Text würde konzentrieren können, doch zu schwer. Etwas Heiteres musste es endlich wieder sein, denn Lachen – macht glücklich.

Dass mich dabei, der Bezug zur aktuellen Situation stand dabei natürlich Pate, das Buch mit dem Titel «Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist», spontan anzog, muss wohl nicht näher erläutert werden. Auch «Die Zukunft war früher auch besser» schien mir eine verlockende Wahl. Diese beiden und manche anderen Titel enthalten Texte, Sprüche, Stücke und «gerade Gedanken eines Schrägdenkers», wie es im Untertitel eines der Werke heisst, von Karl Valentin. Karl Valentin (1882 bis 1948) war nicht nur ein begnadeter Komiker, Schrägdenker und Humorist, sondern auch ein genialer Schauspieler und Filmemacher. Der Meister der Groteske und des absurden Sprachspiels wird von vielen auf eine Stufe mit Charlie Chaplin, Buster Keaton, Luis Buñuel, Samuel Beckett sowie Stan Laurel und Oliver Hardy gestellt. Seine Texte und Gedanken stimmen oftmals nachdenklich, lassen aber auch ein befreiendes Lachen zu – etwas, das ich in dieser Zeit besonders schätzte, insbesondere, da seine Betrachtungen stets liebenswürdig und hintergründig sind.

Wer mehr über diesen grossen Münchner Schrägdenker erfahren möchte: Es gibt natürlich auch Biografien über Karl Valentin – und «das Beste» von ihm auch auf CD mit Originalaufnahmen zusammen mit seiner langjährigen Bühnenpartnerin Liesl Karlstadt.

Eine lohnende (Wieder)entdeckung ganz gemäss Karl Valentins eigener Einschätzung: «Jedes Ding hat drei Seiten. Eine positive, eine negative und eine komische.»


 

Die einsame Insel

8. April 2020

«Welche Bücher würden Sie mitnehmen auf eine einsame Insel?», lautete einst eine Standardfrage in vielen Interviews in Zeitungen und Zeitschriften. Ich habe jeweils versucht, diese Frage auch für mich zu beantworten. Wobei sich sofort weitere Fragen stellten: Wie lange sollte der Aufenthalt auf der «einsamen Insel» denn dauern, und was gäbe es dort ausser «Sonne, Meer, Sandstrand und Palmen»? Die Antworten hätten zweifellos Einfluss auf meine Wahl gehabt.

Für den vorübergehenden, unbeschwerten Aufenthalt hätte ich vielleicht eher Unterhaltsames oder, noch wahrscheinlicher, spannende Krimis ausgewählt – für eine nicht vorhersehbare Dauer eher Aufbauens oder Tröstliches eingepackt, das mich möglichst lange auch geistig beschäftigen würde.

Derzeit befinden sich viele von uns in einer vergleichbaren Situation. Einerseits besteht die «Insel» allerdings «bloss» aus der Wohnung oder dem Haus – und andererseits ist man nicht von der Versorgung, nicht vom Nachschub abgeschnitten. Meine Buchhandlung nimmt derzeit Bestellungen auch per Telefon oder E-Mail entgegen und liefert mit einem eigenen Kurierdienst aus – und bietet sogar die telefonische Beratung an.

Mittlerweile verfüge ich derzeit über genügend Lesestoff. Beim Zusammenstellen habe ich bewusst auf Krimis verzichtet: Derzeit ist mir das reale Leben Krimi genug… Und auch auf das «rein Unterhaltende» habe ich – noch – verzichtet.

Erstens habe ich ein Buch aus dem Regal genommen, das ich längst lesen wollte, aber es bisher nicht geschafft habe: Daniel Kehlmanns «F», 2013 erschienen. Der Roman erzählt die Geschichte dreier Brüder, in der sich die Abgründe immer weiter öffnen, je tiefer man in sie eindringt. Gespannt bin ich sodann auf «Das Gewicht der Worte» von Pascal Mercier und freue mich auf Markus Orths’ «Picknick im Dunkeln», in dem sich Stan Laurel und Thomas von Aquin begegnen. Ein ganz klein wenig habe ich mich sodann bereits in «Sturz» von Reto Hänny vorgewagt und schnell erkannt, dass dieses Buch meine Konzentration ganz besonders fordern wird. Letztlich liess ich mich überzeugen, diesen Schätzen «sweet sorrow» von David Nicholls hinzuzufügen, allein schon des Untertitels wegen: «Weil die erste Liebe unvergesslich ist».

Was würden Sie wählen? Oder: Was haben Sie ausgewählt? Wie auch immer: Hauptsache, ein Buch oder mehrere Bücher. Sie schenken fürwahr in diesen Tagen viele Begegnungen, Geschichten und Bilder, die sich im Kopf weiterentwickeln.

Das gesamte BODAN-Team wünscht Ihnen und Ihrer Familie von Herzen beste Gesundheit und die notwendige Zuversicht, die uns erkennen lässt, dass wir alle gestärkt aus dieser ausserordentlichen Situation herausfinden werden.


 

Langeweile? Niemals!

19. März 2020

In diesen Tagen sind viele von uns von Ängsten geplagt. Im Zentrum steht dabei natürlich die Angst, man selber oder jemand aus dem engsten Familienkreis, insbesondere Kinder, Eltern oder Grosseltern, oder aber gute und liebe Freunde könnten erkranken.

Doch es gibt auch die anderen Ängste. Ausgehen kann man nicht, soziale Kontakte soll man möglichst meiden, die Kinder haben schulfrei – was also tun mit der vielen «Freizeit», die ja eigentlich eine Wartefrist ist? Man fürchtet sich vor rasch einmal aufkommender Langeweile. Dies ist in der heutigen, dieser ausserordentlich bewegten, ja hektisch Zeit durchaus verständlich, Doch Langeweile führt leicht ins Grübeln, und dies zieht einen nach unten.

Langeweile muss nicht sein!

Ich persönlich halte es seit jeher so: Wird es mir allzu ruhig um mich herum, so vertiefe ich mich weitaus lieber in ein Buch, als dass ich mir Filme und Serien «hineinziehe». Warum? Bücher vertreiben die Langeweile weitaus besser: Die Geschichten laden dazu ein, in die jeweiligen Welten einzutauchen, die man sich selber (weiter) ausmalen kann; die Fantasie wird angeregt und damit das Hirn beschäftigt. Damit ist die Langeweile gebannt und schwächen sich die manche Ängste zumindest für eine gewisse Zeit ab, in der man neue Energie tanken kann.

Zwar kann ich derzeit nicht einfach in die Buchhandlung marschieren, um mir neue Titel anzusehen oder empfehlen zu lassen, weil der Bundesrat die Schliessung auch der Buchhandlungen verfügt hat, aber ich habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass meine Lieblingsbuchhandlung derzeit grosse zusätzliche Anstrengungen unternimmt, um dennoch einen möglichst umfassenden Service aufrecht zu erhalten: Zusätzlich zum Online-Shop ist man bereit für telefonische Auskünfte und Bestellungen – und sie können auch per E-Mail übermittelt werden.

Natürlich geht dies nicht ohne einen besonderen Einsatz der Mitarbeitenden, die zudem Verstärkung erhalten haben durch das Team der Druckerei, damit alle Bestellungen zeitnah ausgeliefert werden können. Das nenne ich einen vorbildlichen Einsatz. Denken Sie bitte auch «nach der Krise» daran, was hier in schwierigen Zeiten auf lokaler Ebene geleistet wird!

Das gesamte BODAN-Team wünscht Ihnen und Ihrer Familie von Herzen beste Gesundheit und die notwendige Zuversicht, die uns erkennen lässt, dass wir alle gestärkt aus dieser ausserordentlichen Situation herausfinden werden.
 

«Gewisse Stellen»

13. März 2020

Buchmarke

Im Verlaufe eines Gesprächs kamen wir auf Bücher zu sprechen und irgendwie auf einen bestimmten Titel. Darin gebe es, verriet mein Gesprächspartner leicht verschämt, «eine gewisse Stelle», die sie als «pubertäre, lüsterne Jünglinge» (seine Worte) immer und immer wieder gelesen hätten, weil sie viele mögliche Fantasien zugelassen hätten. Ich hatte das Buch vor Jahren ebenfalls gelesen, ohne dass mir eine «Stelle dieser Art» aufgefallen wäre. Ich ging nach Hause, zog das betreffende Buch aus dem Regal und las es erneut. Da war nichts, was ich als «unanständig», als besonders «explizit» also, empfunden hätte. Wie auch immer: Die Wiederbegegnung mit der Geschichte war gleichwohl spannend.

«Gewisse Stellen» können aber auch ganz anderer Art sein. Früher habe ich mir in meinen Büchern so manches angestrichen, was mir wichtig schien. An manche erinnere ich mich noch heute, und ich weiss auch noch, wo ich sie finde. Etwa in Max Frischs Tagebuch den Satz: «Ein halbes Leben steht unter der heimlichen Frage: Erfüllt es sich oder erfüllt es sich nicht.» Und wenn ich diesen und andere angestrichene Passagen beim Eintrag unter dem Titel «Du sollst dir kein Bildnis machen» wiederlese, so erinnere ich mich auch gleich wieder daran, in welcher Gemüts- oder Lebenslage ich mich befand, als ich das Buch (erstmals) las.

An manches werde ich aber beim blossen Betrachten bestimmter Buchrücken erinnert. Da steht beispielsweise ein Buch von Jürg Federspiel in meinem Regal. Der Buchrücken ist beschädigt – angeknabbert, um präzise zu sein. Wann immer mein Auge darauf fällt, taucht sogleich die damalige Nacht in einem Zelt im Tessin wieder vor meinem inneren Auge auf, der Rucksack aus Platzmangel im offenen Vorzelt platziert. Ein wildlaufendes Kaninchen tat sich am Buchrücken gütlich – ich sah es eben noch erschreckt davonhoppeln, als ich meinen Kopf wegen des eigenartigen Geräuschs aus dem Zelt streckte…

So könnte ich mit Geschichten und Zitaten weiterfahren – und will eigentlich doch nur einiges ausdrücken: Ich liebe gedruckte Bücher so sehr (auch) wegen meiner Notizen und der von mir unterstrichenen Passagen– und weil manche nicht nur (immer wieder) lesenswerte Geschichten enthalten, sondern Erinnerungen und Erlebnisse wiederbeleben, wenn ich sie auch bloss ansehe.

Frisch ausgepackt

27. Februar 2020

Buch

Eigentlich war ich heute früh nicht auf der Suche. Ich meine damit: Nicht, dass mir der Lesestoff ausgegangen wäre. Bewahre! Oft genug habe ich den leichten Vorwurf oder das Erstaunen vernommen, bei mir lägen immer viel zu viele – ungelesene oder angelesene – Bücher herum. Das war immer so und wird immer so bleiben, wage ich zu behaupten.

Obwohl ich also «nichts» suchte, hat mich die Neugierde gepackt. Da kam mir die Rubrik «Frisch ausgepackt» auf der Homepage der Buchhandlung gelegen. Ich habe einmal mehr gestaunt, wie viel neuer Lesestoff «für alle Lebenslagen» hier stets präsentiert werden kann.

Wer liest, so mein einfaches Fazit, dem wird es nie langweilig!

Ohne mich gleich für dieses oder jenes zu entscheiden, habe ich mir einige Titel gemerkt, querbeet gewissermassen. Da fand ich «Küchenschätze aus dem Libanon» und «Unsere Bäume und was sie uns Gutes tun», stiess auf «Hummus & Granatapfel», was mir eine kulinarische Reise durch die Türkei und den Nahen Osten versprach, und habe mich bald einmal gefragt, ob ich mich mit «wildromantischen und natürlichen Arrangements aus Blumen, Pflanzen und Zweigen» befassen sollte («Aus der Natur ins Haus»). Sodann stiess auf «Innere Heilung: Der neue Healing Code», ein Buch, das einfache Anleitungen verspricht, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich der eigenen Vergangenheit zu stellen. Besonders freute mich der Titel «Die Wunderkammer der deutschen Sprache», und neugierig wurde ich auf das «Laboratorium des Fortschritts», ein Buch, das sich mit der Frage befasst, wie «aus dem Kleinstaat Schweiz eine bedeutende Wirtschaftsmacht» wurde.

Man wird es bemerkt haben: ich habe mich diesmal nicht im Bereich der Belletristik und Literatur umgesehen, sondern mich bei Titeln aufgehalten, die gemeinhin unter dem Oberbegriff «Fachbuch» zusammengefasst werden. Natürlich muss man nicht immer mit allem einverstanden sein, was darin unterbreitet wird – manchmal formuliert sich in mir Widerspruch, manchmal sehe ich mich herausgefordert, einem Thema vertieft nachzugehen, aber immer wird das eigene Denken angeregt. Und dies zählt in einer Zeit der beinahe im Sekundentakt auf uns einprasselnden scheinbaren «unverrückbaren Tatsachen» mindestens doppelt.

Reiseabenteuer

12. Februar 2020

«Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen», heisst das geflügelte Wort, das auf ein Gedicht von Matthias Claudius (1740-1815) zurückgeht. Reisen kann man in vielerlei Hinsicht. Indem man äussere Eindrücke sammelt, in sich aufnimmt, bestaunt, dies entdeckt und jenes. Oder indem man sich auf «innere Reisen» begibt. Etwa beim Lesen, das einen entführt auf Reisen durch ferne oder imaginäre Welten, was die Fantasie anregt und uns nachdenklich stimmt. Oder heiter. Uns ein Lachen entlockt. Oder Tränen.

Ich habe in meinem Blog-Beitrag «Ferienlektüre» berichtet von meinen Leseplänen für die bereits wieder zurückliegenden Urlaubstage. Einen Teil dieser Lesereisen habe ich, losgelöst vom Alltag, inzwischen unternommen. Sie führten mich in sehr unterschiedliche Welten - geographisch nach Berlin und Holland, Norwegen und Italien, nach Australien…

Manchmal wird man nach der Rückkehr gefragt, ob die Reise «sich gelohnt» habe. Was so viel bedeutet wie: Ob die in den Reiseführern erwähnten und aufgezählten Sehenswürdigkeiten einen Besuch wert seien, ob die Küche wirklich so gut sei, wie manche schwärmten, oder die Preise so niedrig, wie andere lobten. Oder, oder, oder…

Also könnte man mich oder ich mich selbst fragen, ob es sich «gelohnt» habe, diese Lesereisen, abends oder frühmorgens auf der Terrasse, an den wenigen «Ruhetagen» untertags im Schatten, vor dem Einschlafen im Bett, zu unternehmen. Ja, finde ich, auf jeden Fall. Auch wenn – wie bei wirklichen Reisen – mich nicht jedes Leseerlebnis gleichermassen gefesselt und überzeugt hat. Und, dem Zufall meiner Auswahl geschuldet, ziemlich oft ein zu Ende gehendes Leben und der Tod im Mittelpunkt standen. Heiter und ernst, nachdenklich stimmend und unterhaltend – ein bunter Mix, wie ihn das reale Reisen ebenfalls bereithält.

(Meine Lektüre im Urlaub: Henrik Groen: «Lieber Rotwein als tot sein», Jostein Gaarder: «Der Geschichtenverkäufer» sowie «Genau richtig», Sibylle Lewitscharoff: «Von oben», Lorenz Langenegger: «Jahr ohne Winter», Karl Ove Knausgård: «Alles hat seine Zeit» - und, quasi als Zugabe: Anti Tuomainen: «Die letzten Meter bis zum Friedhof»)

Ferienlektüre

16. Januar 2020

Ich weiss nicht, wie dies andere Menschen halten, für mich jedenfalls ist klar: Ferien ohne Bücher sind für mich unvorstellbar. In dieser kostbaren Zeit geniesse ich das Lesen doppelt. Nichts, das mich ablenkt, keine Verpflichtung, die mir plötzlich in den Sinn käme. Dergestalt kann ich mich ganz den Geschichten hingeben, die ich mir für diese Tage ausgesucht habe.

Soweit, so einfach.

Kompliziert ist hingegen, was vor der Abreise abläuft: Welche Bücher soll ich mitnehmen, in welcher Stimmung werde ich mich näher oder ferner der Heimat befinden? «Alles» kann nicht mitreisen, alleine schon des Gewichts meines Koffers wegen.

Früher habe ich mich oft für Krimis entschieden. Inzwischen packe ich eher «schwerere Literatur» ein. Bücher, die ich im Verlaufe der zurückliegenden Monate erstanden habe, ohne die Zeit oder die Musse gefunden zu haben, ihnen jene uneingeschränkte Aufmerksamkeit entgegenzubringen, die sie verdienen. Also habe ich für meinen derzeitigen Urlaub Werke norwegischer Autoren (Jostein Gaarder und Karl Ove Knausgard) eingepackt, auf die ich nicht zuletzt dank der Frankfurter Buchmesse 2019 gestossen bin, Schweizer Schriftsteller dazu gepackt (Lukas Bärfuss, den Georg-Büchner-Preisträger 2019, und Lorenz Langenegger), Sibylle Lewitscharoff und Angela Kraus beigefügt und zuletzt, weil der Roman Spass verspricht, den man beim Lesen ja durchaus ebenfalls haben darf, Heindrik Groens «Lieber Rotwein als tot sein» eingesteckt.

Mit dieser Auswahl steht für mich fest, dass meine jetzigen Ferientage fernab der heimischen Kälte, also begleitet von Sonne, Wärme und dem leisen Rauschen des Ozeans, auch in literarischer Hinsicht zu einer weiteren Entdeckungsreise werden. Ob diese Hoffnung erfüllt würde? Darüber später…

Was wäre mir entgangen…

2. Januar 2020

Etwas lasse ich mir kaum je nehmen, wo immer ich mich auch aufhalte: Den Besuch einer Buchhandlung. Natürlich: Ich will ja nur hineingehen, mich ein wenig umsehen, erfahren, was im betreffenden Geschäft als besondere Empfehlung aufliegt, aber (diesmal wirklich) nichts kaufen…

Und doch verlasse ich den Laden nach geraumer Weile meist mit zwei, drei, vier, fünf neu erstandenen Büchern. Wohlverstanden: Ohne mich darüber zu ärgern, meinem guten Vorsatz einmal mehr untreu geworden zu sein.

Woran liegt’s?

Erstens mit Bestimmtheit daran, dass ich fürs Leben gerne lese. Und zweitens, dass ich in einer Buchhandlung – und zwar auch beim «x-ten» Besuch – immer wieder Überraschendes, mir unbekannt Gebliebenes, von mir Übersehenes vorfinde. Unter den «persönlichen Empfehlungen» im Laden habe ich schon so manches Buch abseits des sogenannten Mainstreams entdeckt, das mir viel Freude bereitet hat. So habe ich mich kürzlich nach meinem Besuch in der Buchhandlung während Stunden und Tagen amüsiert an Linus Reichlins aberwitziger Geschichte über «Keiths Probleme im Jenseits».

Was wäre mir entgangen, hätte da nicht eine Mitarbeiterin ein Buchzeichen mit «Meine Empfehlung» oder so ähnlich angebracht!

«Totgesagte» leben länger

1. Dezember 2019

«Seit der Existenz von Radio, Kino und Fernsehen können sich Menschen auch anders als mit einem Buch unterhalten (…) Aus Sicht des Buches hat sich hier nichts verändert. Ausser dass die Zahl der Alternativen zugenommen hat», lesen wir in einem Artikel, in einem der vielen, der sich mit der «Zukunft des Buchs» befasst.

Es ist gut, dass die «Zukunft des Buchs» immer wieder und aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet und hinterfragt wird. Das ist gut so, denn, indem man sich über die Zukunft Gedanken macht, ist der Beweis geführt, dass das Buch, das vielfach totgesagte, lebt. Und dies ziemlich üppig, wenigstens in Bezug auf die Quantität: An der Frankfurter Buchmesse 2019 präsentierten sich so 7450 Aussteller aus 104 Ländern mit ihren Werken. Allein das Gastland Norwegen stellte 100 ihrer Autorinnen und Autoren und deren Bücher vor.

Ob solcher Zahlen schleicht sich der unter Umständen etwas gewagte Gedanke ein: Vielleicht ist weniger das Buch an sich gefährdet, sondern droht ihm durch das Überangebot ein langsamer Erstickungstod. Denn wo der Überblick verloren geht, wendet sich der Mensch gerne einmal ganz ab: Ein Reflex der Unlust macht sich breit. Es graut einen, sich durch das Dickicht zu quälen.

Hier nimmt die Buchhandlung eine Mittlerrolle ein. Wer lesen möchte, sich aber zunehmend verunsichert wähnt, wer Lust darauf verspürt, Neues, verborgene Schätze zu entdecken, der stösst selbst in opulenten Online-Shops irgendwann an Grenzen. Im Gespräch mit Buchhändlerin oder Buchhändler lichten sich die Nebel, aus vagen Wünschen werden konkrete Vorstellungen. Flugs findet sich das Passende. Oder man lässt sich zur Entdeckung einer neuen Lesewelt verleiten.

Das mag ich an Buchhandlungen persönlich ebenso wie die Bücher an sich: Hier findet sich noch Zeit und begegnet man Menschen für ein Gespräch. Und so lebt nicht nur das Buch, sondern auch das Gespräch, das ebenfalls vielfach totgeredete, erfreulicherweise weiter.